Aegraflex-Symposium 2013

Neustart für einen wichtigen europäischen Verband


Auch in diesem Jahr fand das Symposium der europäischen Graveure und Flexografen wieder innerhalb der wichtigsten Messe der PBS-Branche in Frankfurt am Main statt. So konnte Präsidiumsmitglied und Vizepräsident Geo Müller von Stempel Müller aus Nürnberg am 26. Januar 2013 wieder zahlreiche interessierte Teilnehmer nebst Referenten und Fachpresse zu dieser recht interessanten und zukunftweisenden Veranstaltung begrüßen. In seiner Einführung ging er auf die für Aegraflex wegweisenden Merkmale und Zielvorgaben ein.


Aus beruflicher Sicht soll das Symbol AEGRAFLEX ein Markenzeichen für preisgerechte Qualität sein, bei dem Betriebe, die diese Zeichensprache „sprechen“ auch erstklassigen Kundenservice erbringen müssen. Hierunter fällt auch der Ansatz, dass eine erstklassige Arbeit auch ihren Preis wert sein muss. Die Intention des Verbandes besteht unter anderem auch in der Bekämpfung global auftretender Preistreiberei. Neben einem Charakter der grenzüberschreitenden Solidargemeinschaft, die nicht nur für die Vertretung beruflicher Interessen zuständig ist, sondern auch die Völker Europas durch die Organisation und Wahrnehmung von Studienfahrten näher zusammen bringen soll, nimmt Aegraflex aufgrund der Mitgliedschaft in Europäischen Gremien auch bei der Vermittlung von Fördermitteln für Mitglieder eine Schlüsselposition ein.


Aegraflex-Geschäftsführer Dr. Michael Schenk ging in seinem Statement auf die momentanen Problemfelder der Aegraflex und die zukünftigen Aufgaben ein. Das Problem des nötigen Zuwachses an Mitgliedern und die an die Aegraflex gestellten Erwartungen und die Umsetzung derselben standen hier im Mittelpunkt seiner Ausführungen.

Referatsabschnitt

Im Anschluss an die auf die spätere Mitgliederversammlung gerichteten Ausführungen des Geschäftsführers erfolgte das Referat des Vorsitzenden des Haushaltskontrollausschusses im europäischen Parlament – Herrn Michael Theurer. Der eigens für das Symposium angereiste stellvertretende Vorsitzende der FDP-Delegation im Europaparlament ist ein hochkarätiger Politiker, der Politik von der „Pieke“ auf gelernt hat. Durch seine jahrelange Tätigkeit als Oberbürgermeister von Horb am Neckar und überdies als Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag hat er seinem Studium der Volkswirtschaftslehre die praktische Umsetzung folgen lassen und bringt auf Grund seiner politischen Tätigkeiten einen umfassenden Sachverstand mit.

Dr. Ulrich Bachmann von Innovation und Technik, der den Referatsabschnitt einleitete, und den Referenten Michael Theurer MdEP offiziell vorstellte, beschäftigte sich ebenfalls im Hinblick auf das folgende Referat mit der Thematik Europa: Der Begriff des vereinten Europas sei von den Bürgern in der Vergangenheit überwiegend peripher wahrgenommen worden. Man habe das europäische Parlament häufig als Versorgungslager für ausgediente Politiker oder auch als Zwischenlager für Bewerber zum Bundestag, die aber den Einzug ins Parlament wg. schlechter Listenplatzierung, verfehltem Direktmandat nicht geschafft haben, oder wg Affären für einige Zeit aus der Schusslinie genommen werden mussten. Im ersten Beispiel nannte er den ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Steuber, und für das letzte Beispiel den Grünen-Politiker Özdemir.

In letzter Zeit aber sei der Begriff Europa durch viele negative Schlagzeilen immer mehr ins Bewußtsein der Bürger gerückt und löse bei den meisten Unsicherheit und Zukunftsängste aus (Stichworte: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, ESM, EZB, Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Zypern etc.).


Der Bürger frage sich allmählich, wie lange Deutschland als größter Nettozahler in der EU dies bei den mehreren hundert Milliarden Bürgschaften auf den Schultern – inzwischen seien ja auch schon Steuergelder geflossen – eigentlich verkraften könne?!

Er beleuchtete das Beispiel Griechenland, wo bislang keinerlei ordnungspolitische Strukturen vorhanden seien, wo es kein Steuererfassungssystem gebe und man jetzt versuche mithilfe eines Stromkonzerns überhaupt an die entsprechenden Adressen heranzukommen.

Darüber hinaus herrsche hier wie in den übrigen genannten Südländern beträchtliche Korruption. Die Rettungsschirm-Zahlungen dienten vorwiegend den Banken, beim Bürger komme nichts oder nur ganz wenig davon an.

Er zweifelte an, dass die „Südstaaten“ auf Grund ihrer geringen Wirtschaftskraft im Vergleich zu den „Nordstaaten“ überhaupt eine Wettberbsfähigkeit zur selbstständigen Staatsfinanzierung und Funktionserhaltung erlangen würden. Dass das gesamte Rettungskonzept einem „Fass ohne Boden“ gleiche.

Und weil die genannten Unsicherheitskandidaten ob ihrer mangelnden Wirtschaftskraft ihre Schulden niemals abbauen könnten und somit „nicht auf die Beine kommen“ würden, müsse am Ende eine entsprechende Nivellierung stehen – mit dem Gespenst einer Inflation?


Um die anstehenden Probleme mit den richtigen Rezepten zu lösen, bedürfe es im Gegensatz zu den ursprünglichen Verfahrensweisen heute hochkarätige Politiker wie Michael Theurer.

Michael Theurer, Vorsitzender des Haushaltskontrollausschusses und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Delegation im Europäischen Parlament, der in seinem Vortrag mit dem Titel: „ Von der Währungsunion zum Bundesstaat?“ auf die aktuelle Wirtschaftssituation in der Europäischen Union einging stellte klar, dass die derzeitige Diskussion um den Euro den Blick auf die wirklichen Probleme verstelle. Der Vergleich zwischen Griechenland und Ungarn zeige: Auch Länder die nicht in der Eurozone sind, stecken in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ungarn erhält ebenso Milliardenhilfen von EU und Internationalem Währungsfond. Darüber wird jedoch kaum gesprochen.


Theurer diagnostizierte Europa insgesamt eine Wachstumsschwäche. Die eigentlichen Ursachen für die aktuelle Krise seien Marktsättigungstendenzen und eine sich in Teilen der EU verschärft abzeichnende Innovationsschwäche und Technologielücke. Den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) komme in dieser Situation eine Schlüsselrolle zu. Deshalb habe die FDP im Europäischen Parlament auf Vorschlag von Michael Theurer auch eine Initiative ergriffen und bereits 2010 den Liberalen Mittelstandsdialog gestartet. Mit der Kampagne „Boost SME“ unterstreiche die liberale Fraktion im Europäischen Parlament die zentrale Bedeutung von KMU für Wachstum, Arbeits- und Ausbildungsplätze und Wohlstand für alle in Europa. Des Weiteren setzt sich Theurer dafür ein, die EU-Mittel vorrangig für die Förderung von KMU sowie für den Technologietransfer einzusetzen.

Um die Währungsunion zu stabilisieren, sprach sich Theurer zudem für eine bessere wirtschaftspolitische Harmonisierung und Koordinierung der Mitgliedstaaten und Europäischen Institutionen aus. Die Umsetzung des Fiskalpakts sowie die Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspakts seien wichtige Maßnahmen.

Theurer plädierte auch für die Etablierung eines föderalen und dezentralen europäischen Bundesstaats.

Die demokratische Legitimation der Europäischen Institutionen müsse gestärkt und ausgebaut werden: „Es fehlt die politische Union mit einer starken demokratischen Kontrolle. Die augenblickliche Krise des Euros lässt sich nicht durch den Rückfall in nationalstaatliche Egoismen, sondern nur durch die Weiterentwicklung der EU zu einem dezentralen und föderalen Bundesstaat lösen.“

Für einen europäischen Bundesstaat will Theurer bei den Bürgern um Vertrauen werben. Sein Vorschlag: ein Bürgerkonvent, der an der Weiterentwicklung der europäischen Verträge und Institutionen beteiligt ist. Das direkt von den Bürgern gewählte Europäische Parlament müsse hierbei die treibende Kraft sein. Das Europäische Parlament müsse zudem mit einem Gesetzesinitiativrecht ausgestattet und die Direktwahl des Kommissionspräsidenten ermöglicht werden, der dann die Mitglieder einer „Europäischen Regierung“ ernenne.


Auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und Multipolarität der heutigen Staatenordnung sei es angebracht und zur Bewahrung und Behauptung europäischer Interessen und Einflussnahme zwingend notwendig, Europa so weiterzuentwickeln, dass es auch außenpolitisch als geschlossener handlungsfähiger Akteur in der internationalen Sphäre agiert und wahrgenommen wird.

Nach den Ausführungen von Herrn Theurer fand eine rege Diskussion über die zuvor erörterten europäischen Fragestellungen statt, die für die Anwesenden viele neue Erkenntnisse zu Tage förderte. Herr Theurer verabschiedete sich sodann von den anwesenden Gästen und Mitgliedern, und begleitete Claudia Diel von Innovation und Technik (das Team von Innovation und Technik hatte den hochkarätigen Europapolitiker für das Symposium vermittelt) zu einem Rundgang in die Messehallen zu den einzelnen Unternehmen der Flexografenbranche.

Mitgliederversammlung

Im folgenden wurden dann in der Mitgliederversammlung die Eckpunkte für eine Neustrukturierung der Aegraflex erörtert. Für die Mitglieder ist bezüglich der Vorteile einer Mitgliedschaft vor allem die Kommunikation innerhalb des Verbandes und der mediale Transport der Verbandsarbeit, sei es in punkto Ausrichtung auf die Mitgliedsbetriebe oder wichtige Kontakte zur Wirtschaft, Industrie oder politischen Gremien ein wichtiges Thema. Mittel hierzu soll unter anderem eine neu überarbeitete Internetseite sein, die ihr Debut noch in diesem Jahr haben wird. Da Betriebe bei einer infrage kommenden oder auch schon bestehenden Mitgliedschaft immer auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstreben, ist es für Aegraflex wichtig, die Vorteilswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Die gesamte Organisationsstruktur beginnend mit der Pflege der Mitgliedsdaten, der kontinuierlichen Betreuung derselben, die Verwaltung und Kontrolle der Verbandskasse sowie die Gewinnung neuer Mitgliedsbetriebe und evtl. Förderer des Verbandes sind in diesem Zusammenhang von evidenter Bedeutung. Für die Organisation der finanziellen Struktur wird zur Vereinfachung des Schatzmeisteramtes eine neue Software benötigt. Die Modernisierung der Aegraflex bedeutet desweiteren auch eine Anpassung der Satzung an aktuelle Gegebenheiten. Zur Förderung der Verbandsarbeit können wie schon zuvor erwähnt Partner aus Industrie und Wirtschaft diese bereichern, weshalb die Mitglieder gebeten werden, etwaige Kontakte an den Verband weiterzugeben.


Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war die Neubesetzung des Präsidentenamtes, bei dem zur Zeit keine ad hoc Lösung angestrebt werden kann. In diesem Kontext wird der Verband sich unter anderem auf die lebenslangen Kenntnisse von Herrn Geo Müller verlassen können.

Alles in allem war das Aegraflex-Symposium eine sehr gelungene Veranstaltung, mit vielen neuen Erkenntnissen und einem guten Ausblick auf die Zukunft.

–cd–