Das traditionsreiche Handwerk des Reliefgraveurs und Medailleurs beherrscht und pflegt der Hanauer Dozent für Graviertechnik Michael Otto

Im Jahr 2019 und 2021 gewann er den 1. Preis zur Ausschreibung der offiziellen 2-Euro-Münzen mit dem Thema Bundesrat und Magdeburger Dom für das Bundesland Sachsen-Anhalt.

In 2023 erfüllt sich nun ein großer Traum für ihn: 3 offizielle Bundesmünzen in einem Jahr:
die 2-Euro-Münze für Hamburg – Motiv Elbphilharmonie, die 20-Euro-Münze Grimms Märchen – Hans im Glück und die 100-Euro-Goldmünze – Goethes Faust.

Hauptberuflich leitet Michael Otto seit 2000 die einzige Ausbildungsklasse in Hessen für Graveure an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau, wo er auch seither immer wieder mit seinen Schülern zu Förderwettbewerben des Bundesfinanzministeriums im Bereich Münzgestaltung eingeladen wird und Preise errungen hat.

Parallel dazu betreibt er ein kleines, exklusives Atelier für Münz- und Medaillenentwürfe und feine Handgravuren.

Jedes Münzrelief ist eine besondere Herausforderung im Entwurf sowie in der Modellausführung, Der Entwurf einer Münze ist ein sehr komplexer Prozess. Bei den meisten Münzentwürfen gilt es auf der Bildseite das erwünschte Thema bildlich einzufangen und auf der Wertseite, passend dazu, einen Bundesadler zu kreieren. Zudem gibt es für beide Seiten eine Textvorgabe, welche stilistisch und harmonisch in den Gesamtentwurf eingebunden werden muss.

Thematisches Wissen, Grafisches und Reliefempfinden, Schriftverständnis, Prägetechnische Aspekte, Heraldik und Abformtechnik bei der Modellherstellung sind hier Vorrausetzung, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen, welches das geforderte Thema für den Betrachter unverkennbar inhaltlich auf den Punkt bringt. Ob Gebäude, Figürliches oder Porträt auf der Themenseite oder die Wertseite der Münzen mit ihrem Bundesadler, die Kunst dabei ist es eine vollplastische Wirkung bei minimaler Reliefhöhe zu erzeugen.

Das Modell selbst entspricht dabei etwa der 5-fachen Größe der später zu prägenden Münze. Bereits hier gilt es zu erspüren welche Details des ca. 16cm großen Modells in der späteren Prägung noch charaktervoll zum Vorschein kommen. Münzen oder Medaillen sind in ihrer Erscheinung bildhauerische Miniaturkunstwerke, dementsprechend fließen viele Aspekte aus diesen Bereichen in den Entstehungsprozess mit ein.

Bei Michael Otto beginnt der Arbeitsprozess mit Ideenskizzen. Die grafische Ausarbeitung erfolgt im Anschluss, je nach Motiv, zeichnerisch oder direkt am PC. Letzteres erleichtert das Finetuning des Entwurfs im Gegensatz zu früheren Fertigungsmethoden.

Das Vorarbeiten des Modells selbst erfolgt zunächst 2-dimensional. Die persönliche Handschrift beim Ausarbeiten eines künstlerischen Flachreliefs möchte er sich auch in Zeit von 3D-CAD Programmen nicht nehmen lassen. „Man erkennt deutlich die Seele einer hochwertigen Handarbeit“, so Otto. Abformung und Vervielfältigung des Urmodells ist dann aber Aufgabe von Hightech. Die fertigen Modelle lassen sich per Laserscann einlesen, eine CNC-Maschine fräst die entsprechenden Prägewerkzeuge anschließend in Stahl. Dieser Prozess geschieht dann in einer der Staatlichen Münzprägestätten in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe oder München durch Speziallisten.

Die erste Prägung zur Abnahme gezeigt zu bekommen ist immer wieder ein ganz besonderer Moment und ebenso wahrzunehmen mit welcher Genauigkeit die Details dort umgesetzt werden.

 

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