Die einen macht er zu Göttern,
die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vor etwa 2500 Jahren hat ein griechischer Philosoph (Heraklit) – ein wörtlich übersetzt „Freund der Weisheit“ – diese Sätze verfasst. Wahrscheinlich aus einer tiefen Erfahrung heraus. Wir wollen hier nicht von den modernen sogenannten Philosophen wie Herrn Precht reden. Aber wenn man die Weisheit sucht, findet man irgendetwas.

In Deutschland hat man die Wehrpflicht im Juli 2011 ausgesetzt, nicht abgeschafft. Damals schien die Welt in Ordnung, drei Jahre später mit der Annexion der Krim kamen den ersten bereits Zweifel. Heute fordern viele die Wiederaufnahme der Wehrpflicht.

Wir sollen ja immer bei unseren Nachbarn schauen. Viele ökologisch Bewegte fordern das dringend, fahren oder fliegen sogar extra dahin. Wie sieht es also aus mit der Wehrpflicht im europäischen Umland? Stand 11 Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland gibt es in acht Ländern Europas (nicht EU) noch eine Wehpflicht, alle anderen haben auf eine professionelle Armee gesetzt. Die Idee dahinter ist ja auch eingängig. Weniger Soldaten (inklusive der Soldatinnen) bedeuten weniger Kosten und Kosten einsparen wollen wir doch alle, schließlich ist Geiz ja geil. Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Österreich, Schweden, Schweiz und Zypern haben das nicht gemacht, sie verpflichten ihre Bürgerinnen und Bürger für ihre Freiheit auch militärisch einzustehen.

Viele Argumente fliegen nun in Europa hin und her. Mehr Nationalismus durch eine Militarisierung? Dienst am Bürger für alle. „Hat uns doch auch nicht geschadet!“ „Das fordern doch nur die, die es gar nicht betrifft!“ usw. Aber lassen Sie uns versuchen, einen objektiven Blick zu werfen, auch wenn das nicht wirklich geht.

Der Staat – das sind wir alle. Der Staat braucht Freiheit, diese Freiheit ist das höchste Gut, das wir haben. Religion, Meinung, Bewegung, Kapital usw. Wir – also der Staat – brauchen diese Freiheit, um friedlich und in Wohlstand leben zu können. Und ja, unser Wohlstand hat sich, seit wir diese Freiheiten alle haben, stets vermehrt. Einschränkungen der Freiheit wollen wir nur in einem freiwilligen Rahmen haben, für die Umwelt z. B., aber nur dann, wenn es die anderen betrifft (siehe ökologisch ins Ausland Bewegte).

Und wir finden es immer als sehr unangenehm, wenn andere unsere Freiheiten einschränken. Unsere Freiheit muss also verteidigt werden, aber bitte nur von „den Anderen“… Schließlich haben wir dem Staat doch das Monopol über die Gewalt übergeben, damit er uns und unsere Freiheiten schützt. Aber hier beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz: der Staat sind wir selber – also müssen auch wir selber unsere Freiheit schützen. Das können wir auf unterschiedlichen Wegen machen. Wir beauftragen „jemand Anderen“ – einen Profi – damit. Das haben die Briten nach dem Abzug der Römer im Jahr 407 auch gedacht und haben einfach germanische Söldner damit beauftragt. Das Ergebnis war eindeutig. Die Römer waren sich in der späten Phase auch zu fein, sich selbst zu verteidigen – auch hier war das Ergebnis eindeutig. Das darf uns so nicht passieren.

Der Krieg in der Ukraine zeigt sehr deutlich, dass einem versprochenen Frieden nur so weit zu trauen ist, wie man ihn werfen kann. Es darf keinen Staat im Staate geben, es müssen „Bürger in Uniform“ sein, die uns und unsere Freiheiten verteidigen. Das geht aus meiner Sicht nur, wenn „der Bürger“ auch in die Verantwortung genommen wird. Ob wir das machen wie die Schweizer, die nach einer kurzen Grundausbildung lange viele Übungen machen, oder ob wir wieder eine ein bis eineinhalb Jährige Wehrzeit mit der Möglichkeit einen alternativen Dienst zu leisten einführen, ist sekundär.

Die Diskussion sollte nicht über die Frage „Wehrpflicht ja oder nein“ sondern nur über das „Wehrpflicht wie?“ geführt werden.

Herzlichst, Ihr

Bernhard Diel