– reformbedürftig!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bernhard DielDie Rentensysteme in Europa sind so verschieden wie die Gemüter der Bevölkerung. Die Schweiz hat mit ihrem Drei-Säulen-System eines, das der Empfehlung und Konzeption der Weltbank am ehesten entspricht. Man sorgt selber vor, der Arbeitgeber und der Staat eben- falls. Klingt auf den ersten Blick super und gerecht, es drückt und ächzt aber in Krisen wie der Finanzkrise 2008–2009. Dabei ist das System der Schweiz recht ausgleichend und behandelt die Menschen aller Berufe grundsätzlich gleich.

Frankreich wiederum ist derart zersplittert, dass man von „einem“ französischen System kaum reden kann, Reformen sind hier noch schwieriger als in der konservativen Schweiz. Dennoch stehen die Franzosen in Bezug auf die Altersarmut recht gut da mit nur 11% der über 65jährigen.

Großbritannien hat ein schwierig zu verstehendes System aus persönlicher und staatlicher Vorsorge, das im Laufe der Jahre immer weiter von der Eigenverantwortung weg ging, ohne dabei den Arbeitnehmer tatsächlich in eine bessere Position zu bringen, in GB ist die Altersarmut im Vergleich recht hoch (eine Quote von 27,3%) – im Vergleich zu Deutschland liegt die Gefährdung um 4 Prozentpunkte höher, knapp unter den sich gerade stark entwickelnden Ländern Europas.

Österreich liegt mit einer Altersarmutsquote von 15% knapp über Deutschland, das mit 14,9% taxiert wird. Nun wird in Deutschland der Ruf nach einer Reform der Rente und eine Steigerung des Renteneintrittsalters laut, andere fordern, dass doch Beamte und Selbstständige ebenfalls in die Kasse einzahlen sollen. Hier nur zur Erinnerung: das deutsche Rentensystem basiert für die große Mehrheit der Bürger auf dem sogenannten Generationenvertrag, in dem die derzeit arbeitende Bevölkerung mit ihren Einzahlungen die Rente der derzeitigen Rentner finanziert. Es gab einige Reformschritte, Riester und Rürup seien hier nur namentlich erwähnt. Das Problem, das ganz Europa treffen wird, ist die Bevölkerungsentwicklung. Konnte man in den 60ern noch von einem wahren Babyboom (schöner Film mit Diane Keaton übrigens) sprechen, so gilt das heute lange nicht mehr. Immer weniger Kinder, immer weniger Erwerbstätige und immer mehr Bezieher von Renten … das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Was ist zu tun?

Eine Umstrukturierung der Rentensysteme ist schwierig, wie oben dargestellt gibt es zu viele Möglichkeiten. Greift also die Erhöhung des Renteneintrittsalters? Jain. Es birgt in sich die Gefahr der Ungleichheit der europäischen Systeme, schon jetzt gibt es Länder (Luxemburg, Griechenland), in denen das Eintrittsalter bei 62 Jahren liegt, während as auf der anderen Seite Länder gibt, bei denen das gesetzliche Renteneintrittsalter bei 67 liegt (Deutschland, Italien, Norwegen, Island). Dennoch ist im Zuge des demographischen Wandels eine Erhöhung des Eintrittsalters unumgänglich, wenn man die jüngeren Generationen nicht überfordern oder die ältere systematisch in den Armut treiben möchte.

Das Phänomen des deutsche Beamten, der nichts einzahlt, ist in diesem Zusammenhang unschädlich, da die ja auch nicht aus der Rentenkasse entnehmen, die Pensionen sind rein steuerfinanziert. Die Selbständigen; hier haben wir einen echten Faktor – so denkt man; in Deutschland zahlen bereits ca. 25% der Selbständigen verpflichtend ein und entnehmen entsprechend. Die anderen drei Viertel zahlen nicht ein, entnehmen aber im Zweifelsfall – allerdings macht das nur ca. 4% der Selbständigen aus, die nach Renteneintritt feststellen, dass sie zu wenig eingezahlt haben (oder aus anderen Gründen keine Rentenzahlungen geleistet haben). Hier könnte es in Deutschland tatsächlich einen Effekt geben, an der Grundproblematik des demographischen Wandels wird dies jedoch auch nichts ändern.

Sicher ist: es muss etwas getan werden! Die Rentensysteme europa- weit, aber insbesondere das deutsche System bedarf einer dringenden Reform. Vielleicht ist der liberale Vorschlag einer „gesetzlichen Aktienrente“ ein guter Weg für das deutsche Rentensystem, es versucht, die Vorteile aus den europäischen System zu vereinen.

Herzlichst, Ihr

Bernhard Diel

(OStRiE) ist Geschäftsführer der AEGRAFLEX, der europäischen Vereinigung der Graveure und Flexografen.