oder warum die eierlegende Wollmilchsau nicht funktioniert

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich bin ein Bahn-Fan seit meine Mutter in den 70ern mit uns Kindern von Fulda nach Köln zur Oma fuhr. Das war – zumindest für uns Kinder – damals toll, man konnte sich bewegen, aufstehen, im Speise- wagen etwas essen, die Landschaft genießen.

So weit die Theorie. Die Praxis ist leider eine andere. Da fährt z.B. das lieb Töchterlein mit der Bahn nach Marburg, mit dem Auto wären das gut zwei Stunden, dann die Parkplatzsuche, ganz schön stressig, nicht das Fahren, sondern das Parken. Also auf zur Bahn. Das Ticket ist gar nicht so teuer, hin und zurück gut 80,- €, das kostet das Auto mindestens auch, wenn man ehrlich ist.

Dass man umsteigen muss, das war ja klar, aber drei- oder viermal? Warum geht es schneller, wenn man einen Umweg fährt? Wieso verpasst man wegen Schwierigkeiten auf der Strecke den Anschlusszug?

Keine Sorge, die Bahn kümmert sich doch darum und tut sehr viel für den Personenfernverkehr. Alles wird besser. Sagt zumindest die Bahn. Aber eigentlich bin ich Bahn-Fan, weil die Bahn schnell und günstig Güter von A nach B bringen kann – ich sollte besser „könnte“ sagen, denn die Bahn kann eben nicht beides: gut im Personenverkehr und gut im Güterverkehr sein. Im Augenblick ist sie weder das eine noch das andere.

Warum das so ist, mag man sich fragen – die Schienen sind doch da. Einfach nutzen. Die werden meistens halt schon ganz gut ausgenutzt – die Bahn spricht von 60% im Schnitt. Das könnte man doch hoch auf 100% schieben! Nein, das geht nicht so einfach, und nicht nur, weil die Strecken marode sind.

Mehr Güter auf die Schiene war und ist ein hehres Ziel, geht aber mit „mehr Personen“ konträr, es geht mit dem bestehenden Schienennetz schlicht nicht beides.

Und dass die Bahn in den letzten 70 Jahren Schienenkilometer in Höhe des Bestandes heute in NRW abgebaut hat, hilft auch nicht wirklich.

Was braucht’s also? Zuerst einmal mehr Schienen und/oder eine Konzentration auf eines: Güter oder Personen.

Und was noch? Mehr Möglichkeiten, einfach mit dem LKW auf einen Waggon aufzufahren, in ein Abteil gehen zu können und das zum gleichen Preis als wenn der LKW die Autobahn genutzt hätte. Transit- verkehr eben nicht mehr über die Autobahn, sondern über die Schiene – und das möglichst europaweit. Mit Containern wird schon vieles gemacht, die werden an Häfen auf Züge geladen, warum nicht ganze LKW? Und ja, das könnte alles gehen, wenn man das denn ernsthaft wollte. Beispiele gibt es z.B. in Dresden, da fährt so ein Zug im Pendelverkehr nach Tschechien, und in Frankreich, Italien… Ich zweifele nicht daran, dass das Verkehrsministerium das auch gerne möchte, aber ich bin mir bei der Bahn da nicht so sicher – die scheint lieber an dem Image der tollen Tourismus Maschine zu feilen. Aber da ist inzwischen die Eurostar-Werbung stylischer, oder zumindest „genderisierter“.

Und weiter braucht es innerhalb der Bahn funktionierende Strukturen – und die fehlen ganz sicher. Da weiß die rechte Hand nicht was die linke macht, geschweige denn, dass es diese überhaupt gibt. Auch die Funktion der Gewerkschaften, die nun andauernde Warnstreiks ausrufen, und so den gesamten Verkehr tageweise lahmlegen, und das ohnehin schon schlechte, proportionale Verhältnis zwischen Dienstleistung und Fahrgäste- bzw. Güterauslastung noch mehr verzerren, ist nicht dienlich.

Die Rahmedetalbrücke der A45 im Sauerland ist seit einiger Zeit nicht befahrbar, es wird umgeleitet, die Umgegend leidet enorm; und dabei hat eine weitere Brücke über die Bahnstrecke jetzt auch aufgegeben, die soll kurzfristig ersetzt werden, wenn denn die Bahn sagen kann, wann man an der Brücke arbeiten kann, aber das kann da keiner so richtig. Ein Trauerspiel. Früher konnten wir mal architektonische Meisterleistungen, heute nicht mal mehr einen Flughafen.

Weniger Wasserkopf – mehr Baupersonal, mehr Güter – weniger Personenverkehr, weniger abbauen, mehr aufbauen – dann klappt’s auch mit dem Nachbarn …

Herzlichst, Ihr