In Deutschland – aber auch in anderen europäischen und westlichen Ländern – wird derzeit ein Großaufgebot gegen die (soziale) Marktwirtschaft aufgefahren.

Das glauben Sie nicht? Dann versuchen Sie’s mal so: Nach dem zweiten Weltkrieg, dem einschneidenden Ereignis in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts setzte sich in der westlichen Welt ein System durch, dass durch zwei Komponenten geprägt ist. Die erste Komponente ist der Markt, der alles regelt. Hier gab es die „Hardliner“ wie die USA oder Großbritannien, eine stark ausgeprägte „laissez-faire“ Politik führte zu einem ungeheuren Wirtschaftswachstum. Manche Länder hatten eine soziale Bremse eingebaut, z.B. die junge Bundesrepublik; diese sollte aber dezent im Hintergrund arbeiten, damit die Kräfte des Marktes die Wirtschaft lenken konnten. Auch hier – zum Teil sogar noch mehr, aber aus anderen Gründen – boomte die Wirtschaft, den Menschen im Westen ging es jedes Jahr besser. Der kaum vorhandene Mittelstand konnte sich ausbauen. Und selbst die „Armen“ waren alles andere als wirklich arm. Wirklich Hunger musste keiner leiden.

Am anderen Ende der Welt setzte man auf die Planwirtschaft, weil das ja viel sozialer war – und unter uns gesprochen, den Staatenlenkern, also der neuen Aristokratie, die Pfründe sicherte. Den Menschen ging es nicht jedes Jahr besser, viele Dinge waren schlicht nicht erhältlich, Freiheiten wie die Bewegungsfreiheit wurden massiv eingeschränkt. Dieses System hat sich global gesehen nicht durchgesetzt – und das ist gut so.

Nun haben die Menschen erkannt, dass unser Boom auch Nebenwirkungen hat. Wir haben gelernt, dass wir mit den Ressourcen anders umgehen müssen, dass es „Abfall“ gibt, dass dies ebenfalls neue Ressourcen sind, die wir nutzen müssen. Und auch das war gut so. Richtig ernst wurde es (im Westen) erst mit dem Aufkommen der Grünen. Und es ist ihr großer Verdienst, dass wir alle mehr Umsicht walten lassen, was den Umgang mit unseren Ressourcen angeht. Und jetzt kommt das große ABER.

Aber man kann nicht nur alles übertreiben, sondern man muss auch erkennen, dass alles – wirklich alles in einem sinnvollen Zusammen- hang gesehen werden muss. So wie wir erkannt haben, dass all die sozialen Leistungen, die ein Staat verteilt, von irgendwem auch erarbeitet und verdient werden müssen, sollten wir erkennen, dass Umweltschutz nur dann geht, wenn wir die Wirtschaft entfesseln.

Sie erlauben mir die Begrifflichkeit der Liberalen. Entfesselt werden müsste die Wirtschaft in den westlichen Ländern aber nicht nur, um den Wohlstand nicht zu gefährden und die Umwelt auch schützen zu können, sondern auch um die Staaten, welche die Freiheiten garantieren sollen, zu schützen. Ein bankrotter Staat kann sich nicht verteidigen! Eine bankrotte Wirtschaft kann keinen Staat unter- stützen. Ein Teufelskreis mag man sagen.

Aber es kommt nun ja noch schlimmer. Der moderne Ablasshandel der Grünen wird immer mehr gesteigert. Es werden immer mehr Kosten auf den Bürger, also auf den, der das alles erarbeitet, geladen. Dachten manche vor 20 Jahren noch, man könnte ungestraft die Transportkosten über die Treibstoffkosten nach oben treiben, damit wir weniger fahren und transportieren – ein hehres Ziel, wollte man doch den Ölmangel (ja, wir glaubten damals wirklich, es gäbe nicht genug) bekämpfen.

Nun haben wir festgestellt oder haben es uns zumindest einreden lassen, dass es so ist, dass das von uns in die Atmosphäre eingebrachte CO2 für den Klimawandel verantwortlich ist. Das mag so sein. Schon wieder ein ABER. Aber wir haben es übertrieben.

Wir bremsen unsere Wirtschaft mit immer steigenden Energiekosten immer weiter aus, die Inflation boomt, nicht die Wirtschaft. Neben den Kosten durch den Krieg in der Ukraine, der viele Ressourcen frisst und sehr viel CO2 produziert, welches wir gar nicht einsparen können, kommen nun auch staatlich verordnete Kosten auf uns zu. Neben dem Treibstoff wurde auch das Gas teurer, wurden Produkte teurer …

Sie sehen, ein Teufelskreis.

Und nun sollen auch noch Heizungen verboten werden. Alles im Namen des CO2. Man setzt mal wieder auf Verbote statt auf Marktkräfte. Was ist zu tun? Die Staaten in Europa müssen die künstlich durch Steuern verteuerte Energie wieder weniger teuer machen. Die Staaten müssen mehr auf den Markt und weniger auf Verbote setzen – ja, da muss man Forschung fördern statt eine einzige Technologie.

Weniger Staat – mehr Eigenverantwortung. Mehr globales Denken – weniger Alleingänge.

Weniger Wenden – mehr Fortschritt. Weniger Plan- mehr Marktwirtschaft.

Herzlichst, Ihr

 

Bernhard Diel (OStRiE) ist Geschäftsführer der AEGRAFLEX, der europäischen Vereinigung der Graveure und Flexografen.