Insolvenz planen statt pleite machen



Burkhard Jung

Die schwere Wirtschaftskrise bringt selbst solche Unternehmen an den Rand ihrer Existenz, die eigentlich kerngesund sind. Plötzlich wird das früher Undenkbare für eine wachsende Zahl von Unternehmen zum realistischen Szenario: die Insolvenz. Wenn sich diese Unternehmen jedoch richtig vorbereiten, kann ein Insolvenzverfahren ein höchst geeignetes Mittel zur Sanierung sein ...

Das deutsche Insolvenzrecht - die Insolvenzordnung (InsO) – ist im Kern eigentlich eine Sanierungsordnung. Sie stellt eine ganze Reihe inzwischen erprobter Instrumente zur Verfügung, die für eine nachhaltige Unternehmenssanierung genutzt werden können. Dabei kann zum einen das insolvente Unternehmen (im Juristenjargon „Rechtsträger“) als solches erhalten und saniert werden. Dies erfolgt dann über den „Insolvenzplan“ [...] Jüngere Beispiele für dieses Vorgehen sind der Uhrenhersteller Junghans oder der Wohnwagenproduzent Knaus Tabbert.

Um eine Sanierung durchzusetzen, kann der Insolvenzverwalter [...] zählen dazu auch Arbeitsverträge.

Dies ist ein immenser Vorteil gegenüber der außerinsolvenzlichen Sanierung.[...] Aus diesem Grund sollte eine Insolvenz sorgfältig vorbereitet werden. Ein Vorgehen, das Sanierungsfachleute als „Strukturierte Insolvenz“ bezeichnen.

Die Erfolgsfaktoren


Eine Unternehmenssanierung durch eine Strukturierte Insolvenz setzt frühzeitig an, idealerweise einige Wochen vor Insolvenzanmeldung. Zunächst wird mit einer „Sanierungs-Due-Diligence“ sorgfältig geprüft, ob das Unternehmen im Kern überhaupt fortführungsfähig und -würdig ist. Ist das der Fall, beginnt die die Erarbeitung des Sanierungskonzepts. [...] oder über eine Auffanggesellschaft, ist dabei zunächst zweitrangig.

Zur Strukturierten Insolvenz gehört weiterhin eine Planung, wie der Weg vom aktuellen Zustand zur Idealgesellschaft geschafft werden soll. Dies umfasst zunächst den Zeitraum der vorläufigen Verwaltung, also der ersten vier bis zwölf Wochen nach Insolvenzanmeldung. [...]

Dabei müssen eine ganze Reihe von insolvenzbedingten Besonderheiten berücksichtigt werden. Dazu zählen die Übernahme der Personalkosten über die Zahlung von Insolvenzgeld sowie der Wegfall von Zahlungen aus einzelnen Dauerschuldverhältnissen, Abschreibungen, Kreditzinsen usw. Ferner enthält das Sanierungskonzept die notwendigen Sanierungsschritte, also etwa Maßnahmen zur Kostensenkung, Standortverlagerungen, strukturelle ƒnderungen, etc. [...]

Ohne ein strukturiertes Sanierungskonzept besteht hingegen die Gefahr, dass der Geschäftsbetrieb mit Antragstellung zunächst ziel- und planlos weiterläuft. Das Ergebnis ist dann, dass der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb bald einstellt, weil er keine Verluste zulasten der Masse akzeptieren will und kann. Eine Sanierung hat dann kaum noch eine Chance.

Echter Neustart

Die Strukturierte Insolvenz ist also mehr als die Folge eines Insolvenzantrags. Sie ist eine Option für eine nachhaltige Unternehmenssanierung und bietet die Chance für einen echten Neustart des Unternehmens. Erforderlich ist allerdings, dass Unternehmer und Unternehmen zunächst eine außergerichtliche Sanierung versucht, zumindest aber geprüft haben. Erst dann macht die „Strukturierte Insolvenz“ auch Sinn.

Dass aber ein mittelständisches Unternehmen einen solch komplexen Sanierungsprozess nicht aus eigener Kraft gestalten kann, liegt auf der Hand. Doch nicht alle Sanierungsberater, die auf dem Markt ihre Dienste anbieten, sind für die Strukturierte Insolvenz die geeigneten Partner. Nötig sind fundierte [...]

Burkhard Jung, Jahrgang 1966, ist Vorstandsvorsitzender der CMS AG www.cms-ag.de, der führenden deutschen Sanierungsberatung für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus dem Mittelstand. Jung studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin und ist seit 1994 für die CMS tätig, wo als Berater und Interimsmanager Unternehmen bei der Sanierung unterstützt. Seit 1998 gehört Jung der CMS-Geschäftsleitung an.

Christoph Möller
Mobil: +49 (0)179 100 90 80
Email: christoph.moeller@cms-ag.de

Den vollständigen ARtikel finden Sie in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift Innovation und Technik.