Mittelstandsfinanzierung: Unendlich viel Liquidität ohne jedwede Kreditsicherheit

Wie Unternehmer durch betriebliche Altersversorgung konkursreif finanziert werden

PM Dr. Johannes Fiala / Dipl.-Math. Peter A. Schramm

Das gespaltene Bezugsrecht: Die Lösung der Versicherer für den Mittelstand

Es erscheint Herr Versicherungsmakler C., und stellt dem Unternehmer folgendes Modell vor: Von der Bank bekommen Sie kein Geld mehr – von mir erhalten Sie unendlich viel Liquidität, und dies ganz ohne irgendeine Kreditsicherheit. Auch Ihre Bank wird begeistert sein, denn vorbei ist der Zustand hoher Kosten durch Überziehungskredite.

Die Lösung ist ganz einfach, meint der Makler: Nach § 1 b Betriebsrentengesetz (BetrAVG) können Sie mit beispielsweise 10.000 Euro Einmalbeitrag eine Direktversicherung kaufen. Beim (gespaltenen) Bezugsrecht sehen Sie 20% arbeitgeberfinanziert für Ihren Arbeitnehmer vor (das ist die Garantie der Versicherung) – und 80% für sich selbst (dies finanziert sich aus „Überschüssen“). Diese Maklerlösung verwirrt auch Fachleute:

Offenbar eine Nebelkerze, denn in Wirklichkeit muss in einem derartigen Fall das von Beginn an widerrufliche Bezugsrecht an der Versicherungs-Garantieleistung zu 100% für den Mitarbeiter vorgesehen werden – hinsichtlich der ungewissen künftigen Versicherungs-Überschüsse und des Todesfallrisikos wird das Bezugsrecht beim Arbeitgeber liegen.

Damit bekommen Sie – so die weitere Verkaufs-Überlegung des Maklers - durch die Absetzung der Kosten 40% vom Finanzamt wieder, denn die 10.000 Euro setzen Sie von der Steuer ab – also rund 4.000 Euro Steuerrückzahlung für [...]

Er, der Makler, arbeitet seit über 10 Jah-ren nur noch so – und damit macht er jeden Unternehmer „glücklich“, sagt er. Bei die-sen 3,6% ist die Versicherungsfinanzierung billiger als jeder Dispo-Kredit bei einer Hausbank. Versicherer sind einfach die besseren Finanzierer – und mit diesem Modell würden Versicherungsgesellschaften seit rund 25 Jahren erfolgreich arbeiten. Doch welche Haken sind damit verbunden?

Der Steuersparmodell-Trick: Das dicke Ende kommt nicht erst zum Schluss

Die Milchmädchen-Rechnung beginnt damit, dass die angeblichen 3,6% netto (der Unternehmer muss insgesamt erst mal 6% bezahlen) sich auf das gesamten 8.000 Euro Policendarlehen beziehen. Für 2.000 Euro Liquidität zahlt der Unternehmer zuerst 24% Zinsen (denn dies sind 6% bezogen auf [...]

Die zweite Täuschung liegt darin, dass der Vermittler auf die Steuerfreiheit der Ablaufleistung der Lebensversicherung in der bAV verweist Aber hier ist ja das Unternehmen der Versicherungskunde, und damit sind auch alle Rückflüsse (bei Ablauf oder vorzeitiger Kündigung) im Rahmen des Unterneh-mensgewinns zu versteuern. Genau genommen muss der AG ständig die jährlichen Überschüsse versteuern und den Aktivwert der aufgelaufenen Überschüsse bilanziell aktivieren. Durch die Zinszahlungen und das Saldo des Steuereffektes fließt jährlich so viel Liquidität wieder ab, dass bereits nach sechs Jahren der Liquiditätsvorteil sich in einen ebensolchen zunehmenden Nachteil verwandelt hat. [...]

Wenn er nach z. B. 20 Jahren doch aus den Überschüssen das Policendarlehen vollständig tilgen könnte, hat sich sein Verlust aus aufgelaufenem Liquiditätsnachteil schon auf über 6.000 EUR erhöht.

In jedem Falle wird der Arbeitgeber die Zahlung der Versicherung – insbesondere schon jährlich die laufenden Überschüsse und am Ende noch die Schlussüberschüsse und Beteiligung an den Bewertungsreserven – voll als Betriebseinnahmen zu versteuern haben. Dies ist spiegelbildlich die Kehrseite, denn den Versicherungsbeitrag hatte der Arbeitgeber ja auch abgesetzt.

Saldiert man die geschätzten 40% Steuerlast, welche bei der – angeblich jederzeit möglicher - Rückzahlung für den Unternehmer anfallen, so wird der „flexible Exit“ aus diesem Konstrukt wirtschaftlich selbst nach mehr als 10 Jahren Vertragslauf-zeit zum Verlustgeschäft, vor allem im Vergleich zur [...]

Teurer kann man als Unternehmer sich kaum refinanzieren. Dieses Modell dürfte ein echter Beitrag zur Stärkung in das Vertrauen der Branche schaffen.

Vertriebslügen des Maklers:

Die Flexibilität dieses Modells hat Grenzen, denn der Mittelständler verliert in jedem Fall viel Geld – entweder weil der Rückkaufswert abzüglich der Zusage an den AN nicht reicht das Policendarlehen plus Steuern zu tilgen, oder weil die jährlichen Zinsen enorm teuer sind oder weil [...]

Natürlich hofft der Makler, dass die Bombe erst dann platzt, wenn seine Vermittlerhaftung verjährt ist. Derweil – also die nächsten 10 Jahre – wünscht sich der Vermittler, dass der Unternehmer und sein Steuerberater „den Braten nicht riechen“, denn auf den ersten Blick scheint dieses Modell[...]


Den vollständigen Artikel können Sie in der Druckausgabe der Innovation und Technik lesen.
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Die Autoren:
Dr. Johannes Fiala, Rechtsanwalt (München), MBA Finanzdienstleistungen (Univ.), MM (Univ.), Geprüfter Finanz- und Anlageberater (A.F.A.), Lehrbeauftragter für Bürgerliches- und Versicherungsrecht (Univ.), Bankkaufmann (www.fiala.de) und
Dipl.-Math. Peter A. Schramm, Sachverständiger für Versicherungsmathematik (Diethardt), Aktuar DAV, öffentlich bestellt und vereidigt von der IHK Frankfurt am Main für Versicherungsmathematik in der privaten Krankenversicherung (www.pkv-gutachter.de).