Alter schützt vor Investitionen nicht

Unternehmen erfolgreich weiterentwickeln

Liebe Leserin, lieber Leser!

trotz Konjunktur und Niedrigzinsen investieren Unternehmen in Deutschland kaum. Aber warum? Gerne wird der demographische Wandel herangezogen: Verantwortlich seien ältere Unternehmer, die kein Interesse mehr an Investitionen hätten, da es ihrem Unternehmen ja gut ginge. Diese Annahme ist – wie Studien zeigen – zwar nicht ganz falsch. Sie ist aber nur die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite gibt es auch viele ältere Unternehmer, die gerne investieren würden, von den Banken aber keine entsprechenden Kredite mehr erhalten. Das Geld für Investitionen kommt nicht in den Unternehmen an; sie könnten gar nicht von den Niedrigzinsen profitieren. Es herrscht also derzeit zwar eine Liquiditätsschwemme im Finanzmarkt, aber ein Liquiditätsengpass bei vielen Unternehmen. Beide angesprochenen Szenarien können Unternehmen schnell in eine existenzbedrohende Krise führen.

Wie aber sollen Unternehmen – gerade solche mit älteren Inhabern oder Geschäftsführern – das Thema Investitionen richtig angehen? Zunächst einmal sollte nicht das Alter des Unternehmers im Mittel­ punkt stehen, als vielmehr das Produkt und das Wohl seines Unternehmens. Wichtig ist, das Investitionen grundsätzlich einer klaren Strategie folgen: Nur weil gerade Geld da ist, heißt das nicht, dass es auch Sinn macht, dieses direkt zu investieren. Auf der anderen Seite darf sich ein Unternehmer aber auch nicht generell vor Investitionen verschließen, nur weil es dem Unternehmen gerade gut geht. Es gilt, in wirtschaftlich „guten Zeiten“ kontinuierlich Rücklagen zu bilden und diese dann auch gezielt für Investitionen einzusetzen. So ist das Unternehmen weniger auf Kredite angewiesen; es läuft aber auch nicht Gefahr, sofort in eine Schieflage zu geraten, wenn eine Investition nötig wird. Vorhandene Rücklagen nehmen gerade älteren Unternehmern die Angst vor Investitionen.

Die Vorsicht, die vermehrt ältere Unternehmer zeigen, darf nicht zu Stagnation und Verweigerung führen. Investitionen sind in allen Unternehmen notwendig – früher oder später. Produkte und Märkte wandeln sich genauso wie die beteiligten Personen.

Diesem Wandel kann oftmals nur durch Investitionen oder Innovationen begegnet werden. Ein Produkt, das die letzten dreißig Jahre gut funktioniert hat, kann nächstes Jahr schon überholt und damit unverkäuflich sein.

Das bedeutet, den Blick auch immer in die Zukunft zu richten. Welche Herausforderungen kommen die nächsten Monate und Jahre auf die Branche zu? Bin ich mit meinem Produkt unter den neuen Rahmenbedingungen weiterhin konkurrenzfähig? Dabei darf auch nicht vor möglichen Investitionen zurückgeschreckt werden. Grundsätzlich gilt: „Immer am Ball bleiben“, also Produkte und Leistungen regelmäßig hinterfragen und bei Bedarf investieren.

Dazu zählt auch: Offenheit für Neues. Gerade ältere Unternehmer tun sich oft schwer loszulassen oder Tipps von außen anzunehmen. Dies führt schnell dazu, dass die eingefahrenen Denkweisen gar nicht mehr in Frage gestellt werden und eine Art Verkrustung einsetzt. Unterschiedliche Denkweisen in einem Unternehmen sind für den Erfolg aber unverzichtbar. Gerade Außenstehende haben oft einen ganz anderen Blick auf die Dinge und bringen neue Ideen ein, wie das Unternehmen erfolgreich weiterentwickelt werden kann. In diesem Zusammenhang ist es naturgemäß besonders wichtig, sich rechtzeitig um die Unternehmensnachfolge zu kümmern.

Ein guter Nachfolger, der eine Zeit gemeinsam mit dem bisherigen Chef die Geschäfte lenkt, ist dagegen die beste Variante.

Oftmals will der Neue das Unternehmen weiterentwickeln und ist daher eher bereit, Investitionen zu tätigen. Zumal der meist jüngere Nachfolger bei der Aufnahme eines erforderlichen Kredits sicher bessere Karten hat. Kreditinstitute drängen im Rahmen ihrer Risikobeurteilung in der Regel auf Klarheit bei der Unternehmensnachfolge.

Herzlichst ihr

Prof. Dr. Lucas F. Flöther

Herr Professor Flöther ist Insolvenzverwalter und Namenspartner der bundesweit tätigen Kanzlei Flöther & Wissing. Er gilt als einer der führenden deutschen Sanierungsexperten und ist Sprecher des Gravenbrucher Kreises, einem Zusammenschluss der führenden deutschen Insolvenzverwalter.