Es hat sich immer noch nichts geändert: Banken behindern Aufschwung

Mittelstand in der Kreditklemme

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auf dem Arbeitsmarkt ist der Mittelstand, zu dem auch und vor allem das Handwerk zählt, ein wesentlicher Stabilitätsfaktor.

Mittelständische Unternehmen, die etwa die Hälfte der Wertschöpfung in Deutschland erwirtschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie über zwei Drittel aller Arbeitsplätze bereitstellen, 60 Prozent der Steuern bezahlen und darüber hinaus ca. 80 Prozent aller Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Politik für den Mittelstand ist somit im hohen Maße Politik für Beschäftigung und gegen Arbeitslosigkeit.

Im Gegensatz zur Großindustrie verfügen mittelständische Unternehmen in der Regel nur über eine dünne Eigenkapitaldecke und sind für notwendige Investitionstätigkeiten auf Bankenkredite angewiesen.

Doch laut Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) kämpfen die deutschen Mittelständler immer noch mit der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. Wer gestern noch als grundsolider Kunde galt, hat auf Grund der Finanzkrise heute im Zweifel nur noch geringe Chancen seine geplanten Investitionen über Kredite zu finanzieren. Von Basel II stillschweigend zu Basel VI also?

Hinzu kommt, dass sich mittelständische Unternehmen – im Gegensatz zur Großindustrie nicht darauf verlassen können, dass der Staat ihnen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation durch Subventionen hilft und sie so vor dem Konkurs bewahrt.

Obwohl die Zentralbanken die Märkte mit Geld fluten, klagen immer mehr Betriebe, dass sie keine Kredite bekommen. Während also zu den „Großen“ medienwirksam der Bundesadler kommt, hilft bei den „Kleinen“ der Pleitegeier – sie verabschieden sich still und leise vom Markt. Was muss geschehen? Das Geld der Banken muss dringend in die Unternehmen fließen. Denn: Banken, die das billige Geld horten, das die Zentralbank und ihre Anleger ihnen zur Verfügung stellen, gefährden den Konjunkturaufstieg und treiben auch lebensfähige Unternehmen in die Insolvenz. Das hat Konsequenzen für Investitionen, Produktentwicklung und Arbeitsplätze.

Bislang leugnen die Betroffenen jedoch hartnäckig, dass sie das Geld zurückhalten. „Es gibt keine Kreditklemme“, heißt es unisono von Seiten der Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken. Und, die stur auf einem hohen Niveau verharrenden Kreditzinsen erklären sie damit, dass sie nur ihre Lehren aus der Finanzkrise zögen – ein fragwürdiges Argument!

So treibt die Wirtschaft zu Recht die Sorge um, dass viele Banken nichts aus ihrem Verhalten gelernt haben, mit dem sie die Welt in die dramatische Krise gestürzt haben.

Obwohl allein die deutschen Banken vergiftete Wertpapiere bis zu 800 Milliarden Euro in ihren Büchern haben, deren Entsorgung noch nicht richtig gelöst ist, diskutiert die Branche schon wieder über Boni.

Krisen gehören zur Marktwirtschaft. Doch bislang lag die Stärke der Marktwirtschaft darin, dass sie aus ihren Krisen gelernt hat. Auch der Kapitalismus macht immer wieder Fehler, aber niemals dieselben.

Wenn selbst Deutsche Bank-Chef Ackermann vor einem Rückfall in alte Sitten warnt, dann ist das eine deutliche Aussage über die begrenzte Lernfähigkeit der Branche.

Herzlichst, Ihr


Dr. Ulrich Bachmann