Bildungssystem qualifizieren und fördern!

Bildungsausgaben unter OECD-Durchschnitt

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Kampf um wirtschaftlichen Wohlstand und relative Vorteile im internationalen Wettbewerb findet verstärkt über Investitionen ins Bildungssystem statt. Vor allem die Länder Asiens investieren enorme Mittel in ihre Bildungssysteme und greifen damit den Rest der Welt in der Konkurrenz nicht nur am unteren Ende der einfachen Produkte sondern auch in Hightech und wertvollen Dienstleistungen an. Allein in China und Indien kommen jedes Jahr 4 Millionen Hochschulabsolventen dazu, schon jetzt wesentlich mehr als die 3,2 Millionen in Europa; für ganz Asien sind es ca. 7,5 Millionen.

Deutschland, einst Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Nobelpreisträger, hat nach neuestem OECD-Bildungsbericht das Klassenziel noch immer nicht erreicht. Auch der neue Bericht zeigt deutlich, wie Deutschland seine Zukunft verspielt.

Deutschland fällt im weltweiten Vergleich der 30 wichtigsten OECD-Industrienationen weiter zurück, verliert gerade in der Hochschulpolitik weiter an Boden. Angesichts der in allen Nationen erheblich gestiegenen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt bildet Deutschland nach wie vor zu wenige Akademiker und Abiturienten aus. Immer noch zu wenige schließen in Deutschland ein Studium erfolgreich ab.

Während Deutschland bei der Abschlussquote im Sekundärbereich noch relativ gut abschneidet, sieht es mit den Hochschulabschlüssen viel schlechter aus. Deutschland liegt hier mit einer Hochschulabschlussquote von nur 23% des Jahrgangs weit unter dem OECD-Durchschnitt von 39% so ziemlich am Ende des Vergleichsfeldes. Weniger Akademiker als in Deutschland werden nur noch in zwei Vergleichsländern ausgebildet: in Österreich und Griechenland.

Wenn man bedenkt, dass ein Industrieland besonders stark von Spitzenqualifikationen seiner Arbeitskräfte abhängig ist, darf man sich schon Sorgen machen. Das Übel hat viele Wurzeln, aber es gibt ein paar Dinge, die ins Auge stechen: Mit dem Geld fängt es an. Bei den Ausgaben für Bildung liegt Deutschland in fast allen Bereichen unter OECD-Durchschnitt und weniger als die Hälfte des Betrags, den die Vereinigten Staaten hierfür aufwenden – eine Tatsache, die nicht wegzudiskutieren ist.

Ebenso haben Bildungstheoretiker viel zu lange den Ton angegeben, Ideologen exotische Lehrpläne ausgeheckt, untaugliche Versuche von Schulformen durchgesetzt, und die Schule zu einem Experimentierfeld von Pädagogen, Wissenschaftlern und Politikern gemacht – zu einem Experimentierfeld, auf dem die Lernenden hin und her geschubst und um ihre Chance gebracht werden.

Während die deutsche Politik sich in „immer neuen Detail-Fragen verliert“, waren die anderen schneller, haben flexibler auf neue Herausforderungen reagiert und ihr Bildungssystem entsprechend angepasst. Sicherlich ist seit der ersten Pisa-Studie bei uns viel geredet worden, sind Reformen angestoßen und auch teilweise umgesetzt worden, aber der große Wurf war nicht dabei.

Zu zaghaft waren alle Versuche der Politik, das System radikal zu verändern. An das „große Ganze“ hat sich niemand getraut, denn schließlich ist immer irgendwo Wahlkampf ...

Die Politik kann noch so oft beteuern, wie wichtig Bildung für die Zukunft unseres Landes ist. Wenn sie es ernst meint und den Anschluss an die übrigen Industrienationen nicht verlieren will, muss sie den Mut haben, auch radikale Veränderungen anzugehen.

Denn: Nur strukturelle Reformen können die Qualität des Bildungswesens nachhaltig steigern. Ausmisten tut also Not: in Lehrplänen und Methoden.

Soll Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren. Dies gilt für die Erstqualifikation wie auch für die Weiterbildung.

Herzlichst, Ihr