Bundesinnung für das Flexografenhandwerk Verbandstag 2011

Verbandstagung 2011


Marburg Workshop-Einheiten zur Thematik „Zusatznutzen und Mehrwert für den Betriebsalltag“, Fachvorträge zu den Themensektoren „Firmenverkauf“ und „IT-Sicherheit“ sowie Betriebsbesichtigungen waren die bestimmenden Programm-Elemente der diesjährigen Verbandstagung, zu der mehr als 70 Teilnehmer erschienen waren.


Die diesjährige 38. Verbandstagung der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk fand am 26. und 27. Mai 2011 in der Universitätsstadt Marburg statt. Wie in jedem Jahr hatten Vorstand und Geschäftsführung ein interessantes Tagungsprogramm zusammengestellt. In diesem Jahr konnten die Organisatoren zudem auf die Unterstützung der Firmen Marburger Signier-Technik-Systeme, Marburg und Stempelspirale in Linden, bauen, die den Tagungs-Teilnehmern Firmenbesichtigungen ermöglichten.

Firmenbesichtigung Marburger Signier- Technik-Systeme


Am ersten Tagungstag erlebten die Teilnehmer am Vormittag während einer Werksführung im Hause Marburger STS in Marburg umfassende und interessante Einblicke in die einzelnen Bereiche der Stempel- und Flexoklischee-Herstellung.

Das Unternehmen bietet Kennzeichnungssysteme vielfältiger Art und ist Marktführer für die Herstellung von Spezialgummitypen in den Bereichen manueller und mechanischer Kennzeichnungssysteme für die industrielle Anwendung. Schilderherstellung, Werbebeschriftungen etc, Fahrzeugbeschriftungen, Gravurarbeiten und Tampondruck tragen zur Vielseitigkeit bei. Dass man hier befähigt ist technische Herausforderungen optimal zu lösen, zeigt sich sehr eindrucksvoll bei der Entwicklung und Fertigung der entsprechenden Betriebsmittel in der Vakuumziehtechnik.


Nach der Werksführung hatten die Firmenchefs – bei hervorragendem Wetter – zu einem Imbiss geladen.

Mitgliederversammlung und Fachveranstaltung


Der Donnerstagnachmittag sah in der Zeit von 13.30 – 17.00 Uhr neben der satzungsgemäßen Mitgliederversammlung div. Fachvorträge vor.

Mitgliederversammlung


Zu der Mitgliederversammlung konnte der Vorsitzende der Bundesinnung, OM Frank Werner, neben den Delegierten, Gästen und Referenten auch die Vertreter der Presse begrüßen. Sein Dank galt der Firma Marburger STS, namentlich den Herren Rektorschek und Schnell die den Verband bei den Vorbereitungen zur Tagung maßgeblich unterstützt haben, sich darüber hinaus programmatisch mit Firmenpräsentation und Namensschildern zum Gelingen der Veranstaltung eingebracht haben. Ebenso bedankte er sich bei Brigitte Werner, Stempelspirale Linden, die den Teilnehmern ebenfalls eine Besichtigung ihres Unternehmens ermöglichte.


In seinem Bericht hielt Vorsitzender Frank Werner zunächst einen Rückblick auf die Tagung 2010 und beschäftigte sich sodann mit den einzelnen Sektoren „Internetauftritt der Bundesinnung“, „Bundesverband Druck- und Medien (bvdm)“, „Neuer Ausbildungsberuf“, „Mediengestalter Flexografie“, „Ausbildungsmesse Nürnberg“, „AEGRAFLEX“, „Imagekampagne des ZDH“ und „Dienstsiegel“der aktuellen Tagesordnung: Der Internetauftritt der Bundesinnung entwickele sich ständig weiter. Im kennwortgeschützten Mitgliederbereich fänden sich viele aktuelle und nützliche Informationen und Werkzeuge. Das Flexografen-Verzeichnis ermögliche den Mitgliedern (eingetragenen Betrieben) ihr Portfolio einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Neu seien Aktivitäten in den sozialen Netzwerken „Facebook“ und „Twitter“.

Ausführlich setzte sich Vorsitzender Frank Werner mit dem Themensektor „Neuer Ausbildungsberuf Mediengestalter Flexografie“ auseinander: Der neue Ausbildungsberuf „Mediengestalter/Mediengestalterin Flexografie“ tritt am 1. August diesen Jahres in Kraft und löst damit den Beruf „Flexograf“ ab. Der Prozess zur Eröffnung des Neuordnungsverfahrens sei schwierig und langwierig gewesen, da es Gegenwind seitens des Gewerkschaftsbundes gegeben habe. Hier habe man Meinung vertreten, dass eine Neuordnung für ein Gewerk, welches so wenige Auszubildende hätte, eine neue Verordnung nicht lohne und habe zunächst das Verfahren blockiert. In intensiven Gesprächen habe man dann eine Einigung erzielen können, sodass das Verfahren Ende 2009 bewilligt worden sei, und am 9. Februar 2010 mit einer konstituierenden Sitzung die Sachverständigenarbeit beginnen konnte.

Als Sachverständige an der Verordnungsgebung haben seitens der Flexografen-Innung Geo-Wulf Müller und Martin Dürmeyer teilgenommen, als stellvertretende Sachverständige waren Uwe Hermann und Georg Schnell benannt. Die Federführung und somit Koordination lag bei GF Torben Thorn. „Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank für diese wichtige Arbeit für unseren Berufsstand“, so der Vorsitzende.

Frank Werner appellierte an die Teilnehmer: „Nun, da das Verfahren abgeschlossen und rechtskräftig ist, liegt es nun an uns allen, die Chancen in diesem neuen, vielseitigen und interessanten Ausbildungsberuf zu nutzen. Der neue Ausbildungsberuf bietet allen Betrieben die Chance, ihren Nachwuchs sehr vielfältig mit guten Zukunftschancen auszubilden“. Großes Interesse an dem neuen Berufsbild habe man bereits bei der Vorstellung anlässlich der Ausbildungsmesse „Berufsbildung 2010“ feststellen können.

Auf die AEGRAFLEX eingehend erläuterte der Vorsitzende, dass für den 1. und 2. Oktober 2011 in Amsterdam eine ISEE – Ausstellung geplant sei. Diese werde in Verbindung mit einer Mitgliederversammlung und Kongress stattfinden.

Ein weniger erfreuliches Thema habe sich in jüngster Zeit aufgetan: Immer mehr Bundesländer verzichteten darauf, Anforderungen an die Erstellung von Dienstsiegeln zu stellen. Nach einer Recherche von Herrn Thorn gebe es somit bereits 6 Länder, also Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen, die keinerlei Genehmigung, geschweige denn einen Sachkundenachweis bei der Beschaffung ihrer Dienstsiegel verlangten. Hier müsse den Ministerien der Länder dringend klar gemacht werden, dass der sensible Bereich der Herstellung von Dienstsiegeln dringend Fachbetrieben vorbehalten sein muss. Fälschungskriminalität werde ansonsten Tür und Tor geöffnet.


Die Satzung der Bundesinnung aus dem Jahr 1993 müsste dem seit damals mehrfach geänderten Handwerksrecht angepasst werden. Zudem möchte der Vorstand die Satzung gerne etwas vereinfachen und auch der Mitgliederversammlung mehr Rechte einräumen.

Grußworte


Aegraflex-Präsident, Geo Müller, beschäftigte sich in seinen Grußworten naturgemäß mit der europäischen Ebene: Die Menschen seien europamüde geworden. Das „Monster Brüssel“ (Hans Magnus Enzensberger) entrücke uns und scheine uns zu erdrücken. Die unermüdlichen Einmischungen in „unseren Alltag“ zeigten Ihre Wirkung. Dem Bürger mit gesundem Menschenverstand komme es so vor, als würde sich die europäische Bürokratie in einer Art von Selbstsabotage ihrer Kompetenzen berauben. Es sei ein Klima von Unpopularität entstanden bei dem man Realitätsverlust beklagen könne.


Doch bei all der teils angebrachten Kritik gerate aber Verschiedenes immer mehr in Vergessenheit und sei inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden, etwa wie mühsam es war nach 1945 eine Grenze zu überqueren. Es gab dutzende von Hürden, wie Devisenbestimmungen, Visumsanträge u.d.gl. zu überwinden. Auch der Geldverkehr sei einem Hoheitsakt gleich gekommen (...).

Die EU stelle aber auch jede Menge an Fördertöpfen auf, an welchen sich nicht nur Großbetriebe und die Landwirtschaft bedienen können; man müsse sich nur schlau machen (...).

Jeder Einzelne von uns hätte die Möglichkeit, als Mitglied bei der europäischen Organisation „AEGRAFLEX“, an seinen Regionalverband oder seine Metropolregion heranzutreten, um sich um Einladung zu Veranstaltungen zur Kontaktknüpfung sowie um Aufträge zu bemühen“, so Geo Müller.

Die Fachveranstaltung – Referatsabschnitt - finden Sie hier.


Ein gemeinsamer Innungsabend im Restaurant „Alter Ritter“ in Marburg beendete den ersten Tag der Fachtagung.

Die Fachveranstaltung – Workshops - finden Sie hier.


Flexografen bei Stempelspirale


Den Abschluss der Fachtagung bildete ein Besuch der Stempelspirale in Großen Linden, bei dem neben der Verinnerlichung technischer Verfahren und Produkten auch mit Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl gesorgt war.

In den Betriebsräumen gewährten Christoph Bill, Johannes Werner und Robert Werner Einblick in die Fertigung. Neben den verschiedensten Arten von Stempein und Stempelwaren, die in modernster Lasertechnik produziert werden, hat sich die Stempelspirale im Bereich von touristischen Rad- und Wanderwegbeschilderungen im gesamten Bundesgebiet einen Namen gemacht. Regional werden Werbeschilder und Beschriftungen angeboten.

Die ehemals klassischen Stempelhersteller entwickeln sich mehr und mehr zu Spezialisten des Markierungs-, Kennzeichnungs- und Identifikationsgewerbes. Mit zum Besichtigungsprogramm gehörte auch ein Workshop zu Befestigungstechniken der Firma Würth.

Die Flexografen-Tagung 2012 findet - gemeinsam mit den Kollegen der Graveure, Galvaniseure und Metallbildner - am 11. und 12. Mai in Kassel statt.

-ba-

Fotos: Ellen Bachmann