BIV Galvaniseure - Graveure - Metallbildner Verbandstag 2011 in Chemnitz

64. Fachtagung vom 3. bis 5. Juni 2011 in Chemnitz


„Erfolgsfaktor Büro! – Zeit verwenden, statt verschwenden“, „Langfristige Unternehmenssicherung durch Qualifizierung von Personal“, „Vorstellung und Diskussion über neue Sicherheitsleitfäden für Galvano-Anlagen“, dies waren die Themenschwerpunkte der diesjährigen Fachtagung.

Die Einladung des Bundesinnungsverbandes der Galvaniseure, Graveure und Metallbildner führte die Verbandsmitglieder nach Chemnitz. Chemnitz, die Stadt der Moderne im Herzen Sachsens war nach den Veranstaltungen auf Mallorca, in Berchtesgaden und Düsseldorf einen weiterer Höhepunkt im gesellschaftlichen Miteinander der Tagungsgäste.

Als Tagungsort diente der Chemnitzer Hof in zentraler Lage, der mit seinem stilvollen Ambiente für eine familiäre Atmosphäre sorgte. Viele Sehenswürdigkeiten in und um Chemnitz luden zur Besichtigung ein, und der berufliche wie auch der persönliche Gedankenaustausch der Mitglieder, bildete die Voraussetzung zu einem gelungenen Ereignis.

Werner Wolf, dem sich als Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung ein lang gehegter persönlicher Wunsch erfüllte, hatte mit großem Engagement und viel Liebe zum Detail eine in allen Belangen hervorragende Veranstaltung organisiert.

Begrüßungsabend


Nach individueller Anreise trafen sich die Teilnehmer am Freitagabend auf Einladung der Innung Chemnitz im Europa-Forum des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz zu einem Begrüßungsabend wo Werner Wolf die Gäste herzlich willkommen hieß. Nach einigen (von manchen Repräsentanten zu langatmigen) Grußworten eröffnete der BIV-Vorsitzende, Gerd Uwe Brand die 64. Verbandstagung und wünschte einen harmonischen Verlauf.

In angenehmer Atmosphäre im Bereich der Ausstellungsprodukte gab es sodann ausreichend Gelegenheit zum informellen Gedankenaustausch im Kollegenkreis.

Fachveranstaltung


Fachgruppensitzung


Zu Beginn der Sitzung begrüßten die Fachbereichsleiter Michael Schmidt und Thomas Poppitz die Teilnehmer der Fachbereichssitzung sowie die Vertreter der Presse und wünschen allen Teilnehmern einen konstruktiven Sitzungsverlauf. Der Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr bezog sich im Wesentlichen auf die gesamte Ausbildungssituation sowie auf den Berufsbildungskongress in Langen.

Wahlen


Herr Poppitz gibt gab zunächst einen kritischen Überblick über die Entwicklung seiner Amtszeit von „Enthusiasmus und Idealismus“ hin zu „Selbstzweifel und Resignation“ und steht nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden der Fachgruppe zu Verfügung. Bei den satzungsgemäß durchzuführenden Neuwahlen wählte die Fachgruppe Michael Schmidt zu ihrem Vorsitzenden und Dr. h.c. Wolfgang Leonhardt zum stellv. Vorsitzenden. Zum Vorsitzenden des Prüfungsausschusses wurde Günter Otto Pichl in Abwesenheit wiedergewählt. Der Fachbereich Galvanotechnik wird auch künftig von Galvaniseurmeister Rainer Stark, Oberndorf, geleitet.

Referatsabschnitt


Gabriele Katzenbächer, Bürokommunikation/Coaching, beschäftigte sich mit dem Thema „Erfolgsfaktor Büro! – Zeit verwenden, statt verschwenden“ Die Referentin ermöglichte einen direkten Einstieg in die Thematik, indem sie die Vorstellungskraft der Teilnehmer bemühte.

Der Büroalltag mit allen Möglichkeiten, die sich ereignen können: Dauerklingeln des Telefons, Kostenvoranschläge, die eilig erstellt werden müssen, erkrankte Mitarbeiter, eine tägliche Flut von E-Mails usw.. Da Zeit aber nur eine begrenzte Ressource dar-stellt, nimmt der Stress im Büroalltag nicht ab. Durch eine ganzheitliche und detaillierte Beratung kann hier Abhilfe geschaffen werden, indem eine Optimierung der betriebsinternen Ordnung und Struktur vorgenommen wird. Weitere Ziele sind unter anderem das Erreichen einer effizienten Arbeitsmethodik, effektives Zeit- u. Selbstmanagement, und ein Arbeitsplatz mit Wohlfühlatmosphäre.

Das Gleichnis von der magischen Bank verdeutlicht, worauf es ankommt, nämlich die gegebene Zeit optimal zu nutzen. Um nun für sich eine bessere Organisation zu erreichen, sollte man Einblick nehmen, wie das alltägliche Verfahren vonstatten geht. Da werden Gewohnheiten des Büroalltags verhaltenstechnisch übertragen und man kommt zu den bereits bekannten Ergebnissen. Für das Erreichen neuer Ziele, muss man etwas verändern. Das fängt bei einfachen Arbeitsschritten an, die zusammengefasst eine große Wirkung erzielen. Sei es das Auflösen von Papierstapeln, das Aufstellen und Beschriften von Ablagefächern, das Erstellen einer neuen Ordnerstruktur, das Übertragen der neuen Struktur auf den PC, die Optimierung der betriebsinternen Arbeitsabläufe et al. Hilfestellung hierbei geben Fragen, die man bei jeder Unterlage oder jedem Gegenstand nutzen kann. Wichtig ist z. B., ob man etwas erneut benötigt oder jemals benötigt hat? Gibt es Vergleichbares mit besserer Qualität? Ist die Akte/der Gegenstand alt und ineffizient oder wäre ein Einsatz desselben durch einen anderen Mitarbeiter effizienter?

Bekommt man erneut Zugang zu einem Dokument, wenn man es zuvor in die Ablage „P“ befördert hatte? Eine Differenzierung der Schriftstücke hinsichtlich der Dokumentenablage erscheint also immens wichtig. Der professionelle Einsatz derselben wird erreicht durch die strukturelle Unterscheidung zwischen Ablagefächern, Arbeitsmappen, Ordnersystemen, Struktur von Dateien und E-Mails im PC in Verbindung mit integriertem Zeitmanagement. Vorgenanntes Management kann das betreffende Unternehmen wiederum in Zusammenarbeit mit einem Office Coach vermittelt bekommen. Der Einsatz dieser Schulungsmethodik lässt sich auf fast alle interessierten Unternehmenszielgruppen übertragen, und kann den betreffenden Betrieben eine Zeit- und Geldersparnis um bis zu 38 Prozent erwirtschaften. Eine anfängliche Bestandsaufnahme vor Ort durch den Coach, eine Ermittlung des jeweiligen Arbeitsaufwandes und des Umsetzungszeitraums in Verbindung mit einer individuellen Einführung der Systematik bieten dem Unternehmen ein umfassendes Unterrichtsprogramm. Ergänzt wird dieses Programm noch durch eine Kontrolle seitens der Beraterin, die nach etwa 4 Wochen den Lernerfolg vor Ort kontrolliert. Diese Optimierung ist als Investition besonders geeignet, da durch die Einsparung überflüssiger organisatorischer Prozesse am Arbeitsplatz Mittel für andere wichtige Investitionen frei werden.

Mit der Frage der „Langfristigen Unternehmenssicherung durch Qualifizierung von Personal – droht unseren Handwerken ein Fachkräftemangel?“ beschäftigte sich der Vortrag von Christoph Matheis, Hauptgeschäftsführer ZVO/BIV, und Anke Peiniger, Peiniger Personalberatung.

In der folgenden Analyse ging es im wesentlichen darum Vorteile, Nachteile und Schwachstellen bei der Nachwuchswerbung aufzuzeigen, und sofern diese erkannt worden sind, Rekrutierungs- und Bindungsmöglichkeiten für Auszubildende bzw. Mitarbeiter/-innen zu finden, die an die jeweilige betriebliche Situation adaptiert werden könnten.

Zunächst konnte jeder Teilnehmer anhand von Statistiken erkennen, dass in der Nachwuchsfrage die Zahl der ausbildenden Betriebe dünn gesät ist. Bei z. B. einem Anteil von 0,07 Azubis je Betrieb im Falle des Metallbildner-Handwerks, und einem Prozentsatz von 0,1 Azubi je Betrieb im Graveurhandwerk, sind es vergleichsweise dazu in der Personalwirtschaft auch nur 0,07 Azubis pro Betrieb. Dieses Ergebnis ist zwar, betreffend der Graveur- und Metallbildnerfirmen, auf den ersten Eindruck noch ganz passabel, täuscht es aber nicht darüber hinweg, dass auch in den beiden erstgenannten Branchen erheblicher Handlungsbedarf besteht. Denn in der Zukunft haben nur diejenigen Betriebe eine Chance, denen eine langfristige Nachwuchs- und Mitarbeiterbindung gelingt.

Zur Erreichung einer Lösungsfindung sind Fragestellungen wie etwa die Anziehungskraft des jeweiligen Gewerkes, die Betriebsgröße, das Vorhandensein von ausreichendem Fachpersonal für die jeweilige Unternehmenssituation, ein entsprechend großer Anteil an Berufsnachfolgern, entsprechende „Karriereaussichten“, die doch teils sehr unterschiedlichen Anforderungen, die an den Nachwuchs gestellt werden u. v. m. von entscheidender Bedeutung. Neben diesen wichtigen Fragen einer funktionierenden Personalplanung, entscheiden auch individuelle Aspekte über eine Verstärkung des Firmenteams. Die Persönlichkeit des „Probanden“, das jeweilige Alter, die schulische oder berufliche Vorqualifikation, seine Vorstellungen vom Arbeitsablauf in einem Handwerksbetrieb und von seinen Zukunftsperspektiven geben den Ausschlag für die Auswahl. Es kommt nicht darauf an, möglichst viele Bewerber zu berücksichtigen, sondern es geht auch um die spätere Praktikabilität des betriebseigenen Ablaufs.

Wenn die Suche nach neuen Bewerbern dann von Erfolg gekrönt war, wird die langfristige Bindung des neuen Azubis/Mitarbeiters an die Firma zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Die individuelle Behandlung des neuen Mitarbeiters, die Einbeziehung der individuellen Leistungsfähigkeit, die Mitgestaltung des persönlichen Lebensplanes, z. B.. durch Fortbildungen stärken die Motivation des Mitarbeiters, sich im Betrieb weiter zu entwickeln. Solche Maßnahmen erhöhen die Chance auf einen dauerhaft funktionierenden Ablauf.

Die aktive und individuelle Vermarktung des Betriebes sichert das betreffende Unternehmen nicht nur personell, sondern schafft auch Zukunftsperspektiven für die Erhaltung desselben. Von einer solchen ideenreichen bewerber- und mitarbeiterorientierten Vermarktung profitieren in der Folge auch die Berufsverbände, die ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit daraufhin abstimmen können.

Mitgliederversammlung


Zu der satzungsgemäßen Mitgliederversammlung konnte Vorsitzender Gerd Uwe Brand im Namen des Gesamtverbandes die Delegierten und Mitglieder begrüßen. In der Abhandlung von Regularien, etwa Ehrung der Verstorbenen, Bericht über die Prüfung der Jahresrechnungen 2010 und Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsführung sowie Feststellung und Beschlussfassung über den Haushaltsplan 2011 beinhaltete die Tagesordnung die TOPs Geschäftsbericht des Vorsitzenden, Wahl der Rechnungsprüfer und Verschiedenes.

In seinem Rückblick ging der Vorsitzende auf den Zeitpunkt seiner Wahl im Jahre 2005 zurück und sieht heute seine damalige Aussage, der Verband sei so gut wie seine Mitglieder und deren Mitarbeit, als Trugschluss. Offensichtlich herrsche immer stärker die Vorstellung, einzig und alleine die gewählten Repräsentanten und hier in erster Linie der Vorstand des Verbandes seien zur Arbeit aufgerufen und die Mitglieder könnten sich auf die Kritikposition zurück ziehen. Nur kritisieren sei jedoch nicht zielführend, weder für einen Verband noch für ein Unternehmen. Dabei wurden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte angeschoben, die – sobald die aktive Unterstützung der Innungen und der Mitglieder gefordert war – eben mangels Unterstützung nicht fortgesetzt werden konnten und eingestellt werden mussten. Insoweit erhofft sich Brand einen Ruck durch den Verband, so dass man künftig wieder Sachthemen bearbeiten und zum Abschluss bringen könne.

Neuwahlen


Gerd-Uwe Brand übernimmt wieder die Versammlungsleitung und bedankt sich bei den Mitgliedern für den bisher zügigen Sitzungsverlauf. Für die folgenden Neuwahlen sehe die Satzung den Saalältesten als Versammlungsleiter vor, so Brand. In Abkehr dieser Regelung schlägt er Geschäftsführer Christoph Matheis vor, der in diesen Belangen sehr viel Erfahrung und Übersicht mitbringe. Die Delegierten stimmen diesem Vorschlag einstimmig zu.

Die von Christoph Matheis satzungskonform in fünf Wahlgängen durchgeführten Vorstandswahlen ergaben folgende Ergebnisse: Gerd-Uwe Brand wurde wieder zum Vorsitzenden. gewählt und steht dem BIV damit seit 2005 vor. Stellvertretender Vorsitzender ist nun Michael Schmidt. Den Vorstand komplettieren Achim Hanisch, Rainer Stark und Niclas Gottfried, der erstmals in den BIV-Vorstand gewählt wurde. Alle gewählten Personen nehmen die Wahl zum Vorstand an.

Für den Rechnungsprüfungsausschuss hatten die Herren Wisniewski (am Tage der Mitgliederversammlung entschuldigt) und Eckey schon im Vorfeld ihre Bereitschaft für eine Fortsetzung ihrer Arbeit erklärt. Weitere Vorschläge erfolgen nicht. Die Wahl per Akklamation erfolgte einstimmig. Für die Tarifkommission wurden die Herren Seßler und Albert Kißling jr. vorgeschlagen, weitere Vorschläge erfolgen nicht. Auch diese Wahl erfolgt per Akklamation und einstimmig, die Gewählten nahmen die Wahl an.

Abschlussabend


Den Abschluss der diesjährigen Verbandstagung bildete ein Galaabend im historischen Saal des Tagungshotels. Die Musical-Show der Werkstatt für Musik und Theater Chemnitz wird den Teilnehmern dank Werner Wolf lange in Erinnerung bleiben. Die 65. BIV-Verbandstagung 2012 findet gemeinsam mit der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk in Kassel statt.

-ba-

© Fotos: Ellen Bachmann