Bundesinnungsverband der Galvaniseure, Graveure und Metallbildner Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk

Gemeinsame Verbandstagung 2012 Kassel

Fortsetzung aus Heft 07/2012 II.

Fachtagung des BIF

Auf der diesjährigen gemeinsamen Verbandstagung der Mitglieder des Bundesinnungsverbandes der Galvaniseure, Graveure und Metallbildner und der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk war durch eine gelungene Organisation eine gute Kombination aus Verbandsarbeit und gesellschaftlichem Miteinander gegeben.

Im Anschluss an die individuelle Anreise am Nachmittag des 9. Mai trafen sich einige Mitglieder der Flexografen-Innung zur Besichtigung des nahe gelegenen Druckerei- und Verlagshauses Thiele und Schwarz GmbH. Gegen 19.00 Uhr traf man sich zu einem gemütlichen Beisammensein im Brauhaus zum Rammelsberg, wo in historischem Ambiente eine behagliche Atmosphäre entstand.

Workshops und Firmenbesichtigung

Der Freitag begann für die meisten Mitglieder der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk mit der Besichtigung der Firma SMA Solar Technology AG. Hier konnte man anschaulich sehen, wie durch Entwicklungen in dieser Schlüsselindustrie die Energieversorgung der Zukunft aussehen könnte. Zurück vor Ort fanden gegen 14.00 Uhr die Workshops der Firmen ‚Marburger Signier Technik Systeme GmbH & Co. KG’ und ‚PrintoLUX GmbH’ statt.

Neuartiger Kleberoller „PrintWiz“

Die Firma ‚Marburger Signier Technik Systeme’ führte anschaulich vor, wie die Welt des Verpackens völlig neu und interessanter gestaltet werden kann. Diese neue Entwicklung ermögliche es handelsübliche einfache Kleberollen zu individuell beschrifteten Bändern werden zu lassen. Beim Verschlussvorgang eines Kartons werde mittels eines Klebebandrollers mit integrierter Druckrolle der jeweilig gewünschte Text auf die Klebeseite des Bandes aufgedruckt. Dadurch seien vielfältige Möglichkeiten zur individuellen Beschriftung gegeben. Dabei könne der Druckmodus jederzeit an- bzw. abgestellt sein, in Fällen, in denen keine Beschriftung erwünscht sei. Auch sei der Austausch der Druckrollen leicht durchführbar. Letztere seien mit einem fixen Text versehen. Man könne aber auch kleinere Informationen zusätzlich auf Versandstücke aufbringen, indem man Buchstaben oder auch Zahlen beliebig austauschen würde, und diese dann zusätzlich zur Hauptbeschriftung anbringen würde. Vorstellbar seien beispielsweise Informationen wie etwa Datum, Herstellungscode usw.

Höhere Sicherheit auch zur Rückverfolgbarkeit

In Punkto Sicherheit ermögliche diese neuartige Kennzeichnung den zuverlässigen Erhalt des Aufdrucks, da sich dieser auf der Rückseite des Bandes befände, und somit die enthaltenen Informationen erhalten blieben. Nach Entfernung des Bandes hinterließe die Farbe einen Abdruck auf dem Karton. Auf diese Weise sei ebenfalls erkennbar, ob ein Versandstück bereits geöffnet wurde. Der PrintWiz Kleberoller ermögliche die individuelle und sichere Bedruckbarkeit von Klebebändern während des Klebevorgangs just-in-time.

Workshop PrintolUX

Im Rahmen dieses „doppelten Branchentreffs“ ergab sich für PrintoLUX® die Möglichkeit, einen Workshop durchzuführen, der die spezifischen Komponenten und Vorteile des thermohärtenden Digitaldrucks behandelte und die Arbeitsweise des PrintoLUX®-Systems FB-140- plus vorstellte.

Unternehmensgründer Peter Jakob, der diesen Auftritt von PrintoLUX® zusammen mit dem Anwendungstechniker Steven Kruck gestaltete, zeigte sich mit dem Interesse und der Resonanz sehr zufrieden. Die circa 25 bis 30 Teilnehmer des Workshops waren zumeist Flexografen, da die Graveure in anderweitigen Veranstaltungen gebunden waren.

Diejenigen Veranstaltungsbesucher, die dieses Verfahren schon kannten bzw. anwenden, zeigten sich sehr an den Weiterentwicklungen interessiert, die zum Beispiel das neue System FB-10-plus repräsentiere. Workshop-Teilnehmer, die dieses Verfahren noch nicht kannten, staunten über die große Beständigkeit beim Bedrucken von Metall, die sich mit einem Verfahren erzielen lasse, das auf der Basis wasserlöslicher Tinten arbeite. – Die Präsentation von PrintoLUX® in Kassel mündete direkt in aussichtsreiche Verkaufsgespräche mit Erstkunden sowie mit Bestandskunden, die ein Upgrading anstrebten, indem sie ankündigten ihr FB- 3-plus-System gegen ein FB-10-plus eintauschen zu wollen.

Festabend im einstigen Orangenhaus

Der noch am gleichen Abend stattfindende Innungsabend – als gemeinsamer kultureller Höhepunkt – bot vielfältige Möglichkeiten zur Kontaktpflege der Mitglieder beider Innungen untereinander. Die Atmosphäre des Festsaals der Kasseler Orangerie schuf den hierzu notwendigen Rahmen. Festabend im einstigen Orangenhaus.

Mitgliederversammlung der Bundesinnung für das Flexografenhandwerk

Der stellv. Vorsitzende Uwe Hermann, der die Mitgliederversammlung leitete, richtete zu Beginn Grußworte an den Präsidenten der Handwerkskammer Kassel, Herrn Heinrich Gringel, an Herrn Gerd-Uwe Brand Bundesinnungsmeister des BIV und den gesamten Vorstand, an die Fachpresse und die Referenten.

Obermeister Frank Werner aus Linden war es leider aus Gesundheitsgründen nicht möglich an dieser wichtigen Tagung teilzunehmen. Der Geschäftsführer des Unternehmerverbands Deutsches Handwerk des ZDH, Herr Karl-Sebastian Schulte, konnte bedingt durch einen familiären Krankheitsfall nicht teilnehmen.

Positiv hervorgehoben wurde die in gemeinsamen Tagungen mündende intensive Kooperation mit dem Bundesinnungsverband der Galvaniseure, Graveure und Metallbildner. Kassel stelle die gelungene Fortsetzung von Nürnberg und Mallorca dar.

Unterstützend zum Erfolg des Verbandstages beigetragen hatten auch die Firmen COLOP und SIGNAL IDUNA. Die Getränke des fakultativen Begrüßungsabends wurden gesponsert von der Firma TRODAT. Die Firmen Marburger STS und PrintoLUX hatten dankenswerterweise den thematischen Reigen mit ihren Workshops erweitert. Nicht zuletzt boten die Firmen Druckerei Thiele und Schwarz und SMA Solar Technology durch das Angebot zur Besichtigung einen gelungenen Ergänzungspunkt zur Tagesordnung.

Nach Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung der diesjährigen Versammlung, und da keine Änderungswünsche zur Tagesordnung vorlagen, war nachstehende genehmigt worden. Besondere Erwähnung fanden im Jahresbericht aus der Innung die diesjährigen Firmenjubiläen. Die Firma Weeber GmbH & Co. KG beginge in diesem Jahr das 100. Firmenjubiläum (Wir berichteten in Ausgabe 06 / 2012). Weitere Firmenjubiläen fanden Erwähnung, unter anderem das 80-jährige Jubiläum der Firma Stempel Wolf und das 90-jährige Jubiläum der Firma Ernst Pauls Stempelfabrik.

Rückblickend auf die vergangene Tagung, mit interessantem Fachprogramm und den Firmenbesichtigungen bei Marburger STS und Stempelspirale konnte hier ebenfalls ein voller Erfolg verbucht werden. Vor allem das Berufsbild „Mediengestalter Flexografie“ war in 2011 von zentraler Bedeutung. Seit 01. August letzten Jahres liege die gesetzliche Regelung dieses neuen Ausbildungsberufes vor, der das Berufsbild „Flexograf“ ablöse. Eine Infoschrift des Zentralfachausschusses Berufsbildung Druck und Medien (ZFA) gebe Auskunft über das neue Ausbildungsprofil und den Firmen Hinweise zur Umsetzung derselben.

Der Internet-Auftritt der Flexografen erfreue sich starken Zuspruchs, biete Informationen für Mitglieder und die Möglichkeit zur Darstellung des eigenen Portfolios im Flexografen-Verzeichnis. Um einem zum vielen Bücher-Signieren verdammten Altbundeskanzler (Helmut Schmidt) Arbeitserleichterung bei eben jenem Vorgang zu ermöglichen, hatte die Bundesinnung letztjährig angeboten, einen Faksimile-Stempel kostenlos zur Verfügung zu stellen, was dieser jedoch in einem Brief an Herrn Thorn dankend ablehnte.

Eingegangen wurde auch auf die in 2011 durchgeführte ISEE-Ausstellung vom 1. Und 2. Oktober mit gleichzeitiger AEGRAFLEX-Mitgliederversammlung. Themen wie etwa eine grundsätzliche Neuausrichtung der Organisation, eine stärkere Vernetzung auf europäischer Ebene, eine verstärkte Einbindung von Mitgliedern, Mitgliedsverbänden und Fachpresse im verbandseigenen Kommunikationsprozess standen hier auf der Agenda. Das vornehmliche Ziel der Wahrung des Berufsstandes mündete in einem neuen Arbeitsprogramm. Ein auf der Paperworld diesen Jahres erstmals vorgestelltes neues Aegraflex-Logo fand viel positive Resonanz, und verkörperte auch optisch die Erneuerung des Verbandes. Überdies war die AEGRAFLEX erstmals mit einem eigenen Messestand auf der Paperworld vertreten, der als ausgezeichneter Treffpunkt für kollegiales Miteinander unter den Mitgliedern diente.

Die Ansicht einer stärkeren Vernetzung der Mitglieder und Fachgremien vertrat ebenfalls Herr Geo Wulf Müller, seines Zeichens Vizepräsident der AEGRAFLEX, und leider auch erkrankungsbedingt von der Kasseler Tagung abgehalten. In seinen Grußworten betonte Herr Müller die Wichtigkeit zur Teilhabe an europäischen Bewegungen, so dass er veranlasst hatte, sich dem Netzwerk Europäische Bewegung anzuschließen. Auf diesem Wege sei der Informationsfluss über Situationen, Förderhilfen u. a. gegeben. Für den beruflichen Nachwuchs könnte insbesondere das Erasmus-Programm von besonderem Interesse sein. Im weiteren ging Herr Müller auf die momentane europäische Lage ein und forderte zu mehr Aktivitäten des einzelnen auf, um eine europäische Bürgergesellschaft zu ermöglichen. Um einer Spaltung Europas vorzubeugen müsse das Europaparlament mehr Macht bekommen, Bürgergesellschaft und Wirtschaft müssten grenzüberschreitend z.B. Finanzmärkte regulieren, Sozialleistungen festlegen usw. Wachstum zu generieren, um beispielsweise Schulden abzubauen gelänge der Politik alleine nicht auf Dauer. Es bedürfe der Einbeziehung der Bürger und der Rückgewinnung von Vertrauen in Europa.

Aktivitäten in Berlin und in Europa zeitigte im letzten Jahr auch der Dachverband ZDH, der gezielt die Imagepflege des Berufsbildes in den Mittelpunkt gestellt hatte. Eine Gleichstellung des Handwerksmeisters mit dem europäischen Bachelor war ein zentraler Themenpunkt wie auch die Imagekampagne, die in einen TV-Spot mündete. Die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ präsentiere darin die gesamte Leistungspalette handwerklicher Vielfalt. Die Beteiligung der einzelnen Unternehmen sei dabei von zentraler Bedeutung zum Transport der Werbung. Unter www. handwerk.de erhalte man Infos zur Kampagne, Werbemittel u.v.m.

In diesem Zusammenhang sei auch die Einführung eines Qualitätssiegels essentiell wichtig, zur Hervorhebung der Fachbetriebe. Dieses werde in einem Gestaltungswettbewerb ausgewählt, der durch eine Ausschreibung unter den Mitgliedern in Gang gebracht würde.

Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war durch das Thema Zukünftige Organisation des BIF und des Bundesverbands Druck und Medien (bvdm) gegeben. Der weitreichende Entschluß des bvdm die eigene Rolle durch Lobbyarbeit in Berlin zu verstärken, führte zum Umzug dieses Verbandes in die deutsche Hauptstadt. Durch diesem Umzug waren einschneidende personelle Veränderungen gegeben, die den Geschäftsführer Herrn Thorn und andere langjährige Mitarbeiter wie Frau Coleman vor die Alternative stellten, nach Berlin zu ziehen oder etwas neues ‚in Angriff’ zu nehmen. Ihr langjähriges Wirken zeichnete sich durch sehr gute Arbeit aus. Die Frage nach der weiteren Zusammenarbeit von BIF und bvdm stellte sich natürlich, diese sei jedoch mit einem Umzug nach Berlin verbunden. Gespräche der Bundesinnungen Flexografie und Siebdruck mit dem bvdm ergaben, das letzere die Zusammenarbeit fortführen wollten.

Der letzte Tagesordnungspunkt behandelte die Meisterprüfung im Flexografen-Hand-werk. Hier plane die Bundesinnung für Ende 2012/Anfang 2013 einen Vorbereitungskurs für die Meisterprüfungen im Flexografen-Handwerk. Eine diesbezügliche Kooperation mit der Handwerkskammer Wiesbaden stünde in Aussicht und bis zum 06. Juli diesen Jahres könnten per Mitteilung die Planungen für den Meisterkurs begonnen werden. Vom 10. Bis 13 Dezember 2012 fände erneut die Messe „Berufsbildung 2012“ in Nürnberg statt, wo die Werbung für das Berufsbild „Mediengestalter Flexografie“ gezielt den Nachwuchs ansprechen solle.

Abschließend beschäftigte die kommende Verbandstagung die Gemüter, wobei bereits ein Vorschlag für ein Treffen im Großraum Ingolstadt getätigt worden war. Terminlich käme dabei eher der Juni in Betracht, wegen der Feiertagslastigkeit des Mais.

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