Bildung immer wichtiger

Standort unter Wettbewerbsdruck


Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft wird immer wichtiger. Ohne eine solche Verbindung wird in der Wissenschaft an den wirklichen Problemen vorbeigeforscht, und der Wirtschaft fehlt der wichtige Input aus der Wissenschaft. Deshalb können wir uns in Zukunft Berührungsängste zwischen diesen beiden bedeutenden Bereichen nicht mehr leisten.

Was wir brauchen, ist ein kräftiger Innovationsschub an den Hochschulen, angefangen bei der technischen Ausstattung bis hin zu den Lehrplänen. Vor allem müssen Computer und Internet noch stärker als bisher Bestandteil der Lehre werden. Und das nicht nur bei den Naturwissenschaftlern und Informatikern.

Nach wie vor fehlt es am Bewusstsein, dass Bildung mithilfe der Informationstechnologie effizienter erreicht werden kann. Außerdem brauchen wir auch mehr Wettbewerb in der Hochschullandschaft. Denn: Wer „Leistungswettbewerb“ oder „Elitenförderung“ in der Bildungspolitik auf den ideologischen Index setzt, riskiert den unaufhaltsamen Abstieg der gesamten Volkswirtschaft.

Wollen wir im Zeitalter der Informationsgesellschaft im globalen Wettbewerb wieder vorne liegen, muss unser Bildungssystem Hochleistungen erbringen.

Unser Standort steht unter einem enormen Wettbewerbsdruck: Indien z. B. verfügt nach den USA über den zweitgrößten Anteil an englischsprachigen Naturwissenschaftlern. In China stehen mehr als 350 000 IT-Spezialisten bereit und jedes Jahr sollen über 100 000 Ingenieure dazu kommen. Umgekehrt fehlen in Deutschland genügend hochqualifizierte Spezialisten für Informationstechnik. Unzählige Stellen in der Informationswirtschaft konnten bislang nicht besetzt werden, weil es an den fachlich geeigneten Bewerbern dazu fehlte.

Deshalb müssen wir alles daransetzen, dass Bildung in Deutschland uneingeschränkt wieder Priorität erhält. Dies bedeutet nicht die Renovierung von Elfenbeintürmen. Vielmehr bedeutet dies:

– noch mehr staatliche Gelder für Forschung und Entwicklung
– Öffnung der Hochschulen für Leistung und Wettbewerb
– engere Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft
– Zugangsberechtigung von Meistern bzw. Handwerksmeistern zur Hochschule
– bessere Vorbereitung auf unternehmerische Selbstständigkeit
– und schließlich: besseres und fächerübergreifendes Lehrangebot zum Thema Informationsgesellschaft.

Wir können unser weltweit beachtetes Wohlstandsniveau nur halten, wenn es gelingt, wieder ein hochwertiges Bildungsangebot bereitzustellen.

Herzlichst ihr


Dr. Ulrich Bachmann