40. Flexografen-Tagung 2013 Wolnzach

Obermeister Frank Werner übergibt Amtsgeschäfte an Obermeister Uwe Herrmann

Workshops

Ernst Reiner, Furtwangen – immer eine Innovation voraus

Die bereits am Mittwoch den 05. Juni begonnene Verbandstagung der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk hatte am Donnerstagvormittag die ersten Höhepunkte des obligatorischen Tagungsprogramms aufzuweisen. In Workshops dreier europäischer Stempel- und Kennzeichnungsgerätehersteller wurden den Tagungsteilnehmern und Gästen anschaulich die Funktionsweisen und Vorteile der präsentierten Produkte und Geräte kombiniert mit einem Porträt des jeweiligen Unternehmens dargelegt. Im Falle der Firma REINER aus Furtwangen beförderte ein Zusammenspiel aus Vortrag und Praxisübung – gestaltet durch Vertriebsleiterin Waltraud Eisenmann – verbunden mit einem regen Gedankenaustausch der Teilnehmer den Erfolg dieser Veranstaltung.

Anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums konnte Firma REINER einen neuen Internetauftritt präsentieren, der das breite Spektrum an Produkten widerspiegelt, und der durch eine klare Strukturierung der einzelnen Sparten von REINER gekennzeichnet ist. Angefangen bei Hand- und Elektrostempeln, Kennzeichnungstechnik, Scannern und OCR-Druckern bis hin zu Präzisionsteilen. Besonderheit dieses neuen Gerätes stelle die Bedruckbarkeit verschiedenster Materialien wie z.B. Papier oder Pappe und Plastik oder Metall dar, für die zwei verschiedene Druckpatronen eingesetzt würden. Unter Zuhilfenahme des vorgestellten Programms PCset graphic konnte Vertriebsleiterin Waltraud Eisenmann die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten von Barcode und Logo oder das gleichzeitige Abdrucken zweier Datumssätze oder auch Abdrucke mit Text praxisnah darstellen. Die Zuhörer konnten während des Workshops die praktische Wirkungsweise des „jet-Stamp 970 graphic“ erfahren; jeder konnte mit einem Vorführgerät beliebige Abdrucke erzeugen, was selbige zu einer lebhaften und gelungenen Veranstaltung werden ließ.

Eine mögliche Verlinkung der Produktvideos des renommierten Unternehmens über den Youtube-Kanal erleichtere die Nachvollziehbarkeit der technischen Anwendungen. Software, die zur Herstellung von Druckbildern benötigt würde, lasse sich für alle gängigen Betriebsarten auf der Homepage von REINER einfach herunterladen.

Die Vorstellung des neuen Produktvideos vom speed-i-Marker 940 schaffte den Übergang zu den innovativen Kennzeichnungssystemen, der durch die Präsentation des neuen Gerätes „jet-Stamp 970 graphic“ erweitert wurde.

Colop, Wels – im Namen liege die Würze

Bei Colop lag der Fokus des Workshops auf einem im Wandel befindlichen Käuferverhalten und in der Konsequenz darauf in einer Betonung des Produktes an sich. Stempelserien würden meist für sich sprechen, und dem Käufer deutlich machen, welche Philsophie dahinter stecke oder durch welche charakteristischen Eigenschaften sie sich auszeichneten. Zum Beleg stellte Andreas Hörtenhuber, Int. Sales & Marketing Manager bei Colop, einige Stempelserien vor, die in ihrem Design oder ihrer Namensgebung diesen Aspekt aufgriffen. Als Beispiele nannte er die Expert Line von Colop, bei der man durch die Verwendung von Stahl auf eine gewisse Robustheit bei der Anwendung aufmerksam machen wolle, oder die Green Stamps, bei denen schon beim Herstellungsprozess eine andere Philosophie zum Tragen komme.


Trotec, Wels – den speedy 400 im Fokus

Der Workshop der Firma trotec, einem führenden Hersteller von Lasergravierern und Laser-Cuttern, behandelte die Themenschwerpunkte der komfortablen Herstellung individueller Trodat-Mehrfarbstempel unter Einsatz von Trotec Lasersystemen, und die konjunkturellen Aussichten und Marktchancen im Bereich der Mehrfarbstempel. Auf Wunsch der Teilnehmer erfolgte im Anschluss an ein Referat von Herrn Bartipan von Trotec Laser aus Ismaning, eine Erweiterung auf andere Themenbereiche wie etwa das Lasersystem Trotec Speedy 400, welches den jüngsten Zugang der Speedy-Familie darstellt oder auch die jüngste Generation der Trotec-Lasersoftware namens JobControl X. Sowohl Herr Bartipan und Herr Oliver Kussauer standen den Teilnehmern auch bei individuellen Themen mit Rat und Tat zur Seite.

Mitgliederversammlung

Begrüßung und Bericht des Vorsitzenden – eine erfolgreiche Ära geht zu Ende.

Zu Beginn der Mitgliederversammlung am Freitagmorgen konnte Vorsitzender Frank Werner die Teilnehmer, das Ehrenmitglied und Aegraflex-Präsident, Geo Müller, sowie die Vertreter der Fachpresse, Claudia Diel und Dr. Ulrich Bachmann begrüßen.

Besondere Erwähnung fand die Firma REINER aus Furtwangen, die aus Anlass ihres 100-jährigen Firmenjubiläums den Innungsabend sponserte. Die Firmen Trodat, REINER, Colop, und Trotec konnten ebenfalls Dank für ihre Unterstützung durch Sponsoring und Unterstützung der Tagung durch Workshops entgegennehmen. Hierein fiel auch die Danksagung an die Firmen Reinhold Schmitz Handelsvertretung e.K., Stefan Kupietz GmbH & Co. KG und der Heri-Rigoni GmbH, die drei Jungmeistern die Teilnahme an der Verbandstagung ermöglicht hatten.

Nach Feststellung der Einhaltung von Ladefristen und der Beschlussfähigkeit der Versammlung erfolgte der Bericht über das vergangene Geschäftsjahr und über Neuerungen innerhalb der Bundesinnung. Erwähnung fand zunächst der von der Bundesinnung für das Flexografenhandwerk letztjährig beschlossene Verbleib beim Bundesverband Druck und Medien, begleitet von einschneidenden Veränderungen,wie etwa der Umzug des bvdm von Wiesbaden nach Berlin, die berufliche Neuorientierung des Geschäftsführers Herrn Thorn und der Verlust langjähriger Mitarbeiter wie etwa Frau Coleman.

Mit Beginn des Jahres 2013 übernahm Herr Matthias Zwanzig die administrativen Aufgaben des Verbandes.

Die Kommunikation der Mitglieder untereinander oder aber auch mit der Geschäftsstelle in Berlin sei von evidenter Bedeutung für eine funktionierende Verbandsarbeit.

Die bestehende Website enthalte nützliche Informationen für die Mitglieder, sei andererseits natürlich auch pflegebedürftig, um eine gewisse Aktualität zu wahren.

Die folgenden Tagungsorte sollten nicht mehr vor-festgelegt werden, sondern durch Kommunikation der Mitglieder untereinander ermittelt werden.

Die im Bericht angesprochene Thematik des neuen Berufsbildes mit dem äußerlichen Charakteristikum der neuen Berufsbezeichnung – Mediengestalter Flexografie – wurde im Anschluss an die Versammlung innerhalb einer Vortragsreihe von Herrn Theo Zintel behandelt.

Weitere Themenfelder wie etwa Belastungssteigerungen für mittelständische Betriebe bei der Rundfunkgebührenordnung oder europaweite Zahlungsverzugsfristen bei Lieferverträgen sowie ein drastischer Anstieg der EEG-Umlage wurden durch massives Einschreiten des bvdm und ZDH in ihren negativen Auswirkungen zum Teil nachgebessert oder seien noch zu behandeln. Der Gedanke an ein Qualitätssiegel neben dem eigentlichen Innungssiegel war mit einer gewissen Skepsis behaftet, da sich Qualitätsversprechen nicht durch eine Zertifizierung jedweder Art einstufen lassen würden. Daher kam man überein, eine Überarbeitung des Innungssiegels durchzuführen, wobei die Zugehörigkeit zur Innung bereits Teil einer gewissen Qualitätseinstufung sei. Bei der Beitragsbemessung für die Mitgliederbeiträge zur BIF wurde ein zu niedriger Satz festgestellt, welcher von der Kreishandwerkerschaft Wiesbaden verursacht worden war. Somit gelte für die Verlegung des Sitzes nach Berlin das Argument, dass in großen Städten keine Kreishandwerkerschaft existiere. Herr Werner schlug eine Satzungsänderung vor, über selbige Verlegung abzustimmen, was im Anschluss an seine Rede einstimmig beschlossen wurde.

Als letzten Tagesordnungspunkt stellte Herr Werner als Vorsitzender der Bundesinnung für das Flexografenhandwerk sein Amt zur Verfügung, hatte er doch 20 Jahre lang die Geschicke der Innung geleitet, und lud alle Anwesenden anlässlich des endenden Lebensabschnitts zu einem Umtrunk im Anschluss an die Vertreterversammlung ein.


Referatsabschnitt

Nach einer kurzen Kaffeepause begann der Referatsabschnitt mit einem Vortrag von Mike Horsten, General Manager Marketing der Firma Mimaki. Herr Horsten beschäftigte sich in selbigem mit der Fragestellung „Grüne Drucktechniken existieren, und was bringt die Zukunft?“ Zunächst gab Herr Horsten einen kurzen Überblick über die Geschichte der Firma Mimaki, und die Branchen, in denen man tätig sei. Beheimatet in Tomi City Nagano sei das in 1975 gegründete Unternehmen in verschiedenen Bereichen wie etwa im graphischen Sektor, bei der Kennzeichnung industrieller Produkte oder in der Textilindustrie tätig.

Mimaki investiere jährlich 8 % seiner Gewinne in Forschung und Entwicklung, und versuche im Hinblick auf die Märkte innovativ zu sein bei gleichbleibend hoher Qualität. Die Frage nach dem Kosten-Nutzen Effekt von grüner Technologie lasse sich Amerika betreffend überhaupt nicht stellen, nur in Europa würden grüne Produkte gefördert. Herr Horsten listete eine Reihe von Maßnahmen auf, die Anwender ergreifen könnten, um eine gewisse Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Herr Friedhelm Juckel, seines Zeichens Geschäftsführer der Firma Reinhold Schmitz, Handelsvertretung e.K. aus Solingen stellte in seinem Vortrag das Angebots- und Leistungsspektrum seines Unternehmens vor. Ein breites Spektrum an Produkten, angefangen bei Schaumplatten, Zellkautschukplatten, Klebematerialien sowie Lasergummi und Matern für den Bereich der Stempelherstellung, Schildermontage und Pokalherstellung, über Stempelkissen in vielen Größen (getränkt oder ungetränkt) und Stempelfarben, Signierfarben, Kennzeichnungsfarben der Firma Coloris, Stefan Kupietz GmbH & Co. KG, kennzeichnet den Lieferumfang des Unternehmens. Seit Jahren ist Herr Juckel verstärkt für die Firmen Ernst REINER GmbH & Co. KG aus Furtwangen, heri Rigoni GmbH aus Fischbach, Stefan Kupietz GmbH & Co. KG und Marburger Signiertechnik Systeme tätig. Theo Zintel, Bildungspolitischer Sprecher des Bundesverbandes Druck und Medien (bvdm) appellierte eindringlich an die versammelten Unternehmer, die Ausbildung in den entsprechenden Gewerken des grafischen Handwerks in den nächsten Jahren zu verstärken. Hauptaugenmerk liege hierbei besonders auf einer breit aufgestellten Ausbildung und einer Komprimierung der Berufsbilder, wobei die Ausbildungspläne als Internettools verfügbar seien (siehe hierzu unser Interview mit Herrn Zintel auf Seite 42).

Wahlen

Neuer Vorsitzender gewählt

In der Vertreterversammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt, der als wesentliche Änderung die Neubestimmung eines Vorsitzenden zur Aufgabe hatte. Zum Vorsitzenden gewählt wurde Obermeister Uwe Hermann, Geschäftsführer der Firma Stempel Weeber in Pforzheim, der den scheidenden Vorsitzenden Frank Werner, Geschäftsführer der Firma Stempelspirale aus Linden ablöst. Als neuer stellvertretender Vorsitzender wurde Herr Martin Dürmeyer gewählt. Uwe Hermann bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, und bekundete die Absicht, die gute bisherige Arbeit fortzuführen.

Rahmenprogramm

Zwischen Mercedes-Benz und Hopfenmuseum

Der Verbandstag in Wolnzach war ebenfalls durch ein reichhaltiges fakultatives Programm gekennzeichnet, für dessen organisatorische Planung und Durchführung Bernd Gärtner von Firma Stempelservice Gärtner & Zacharias e.K. das höchste Lob gebührt. Schon mit der Wahl des Tagungsortes aber auch durch die Art der Veranstaltungen war dieser Verbandstag auch im Vergleich mit den vorangegangenen einer der harmonischten überhaupt. Selbst nach Tagungsende fanden sich noch viele Mitglieder und Gäste zum gemütlichen Beisammensein auf der Hotelterasse des Hotels Hallertau ein. Der Beginn des fakultativen Programms am Mittwochnachmittag, den 05. Juni, war durch eine Besichtigung des Daimler-Werkes in Ingolstadt gegeben, wo bei einem Rundgang durch verschiedene Produktionsbereiche den Teilnehmern anschaulich ein Überblick über die modernen Herstellungsweisen eines Fahrzeugs gegeben wurde. Ein Zusammenspiel aus logistischem Aufwand, Präzision bei der Karosserieherstellung, technische Herausforderungen bei der Konzeption eines Autos, Einsatz modernster Technik, Strukturierung des Arbeitseinsatzes angesichts der just in time Herausforderungen u.v.m. wurde den Besuchern in einer 1 stündigen Führung nähergebracht. Zurück im agungshotel traf man sich zum kollegialen Abendessen in gemütlicher Runde.

Der erste Höhepunkt des Abends war zunächst ein einstündiger Vortrag eines pensionierten Braumeisters über die Historie und die Kunst des Bierbrauens. Besonderheit hierbei war die gleichzeitige Möglichkeit zur Verkostung, und die neuen Erkenntnisse der gesundheitserhaltenden Wirkung! Ein weiterer Glanzpunkt des Abends wurde durch den Auftritt der Starkbiergruppe des Theatervereins Bar-Ebenhausen verkörpert, die mit ihrem Programm „Altbayerisch für Anfänger“ dem Publikum nicht nur diesen recht interessanten sprachlichen Dialekt nähergebracht haben, sondern auch die kulturellen Eigenarten dieses netten Völkchens. Während der dritten Episode und unter Anleitung durch „Carolin Reiber“ waren die Zuschauer sogar schon in der Lage einzelne Sätze nachzusprechen. Der darauffolgende Nachmittag brachte für die Mitglieder und Gäste ebenfalls viele neue Erkenntnisse durch die Besichtigung der Firma Stiefel Digitalprint GmbH in Lenting. Die Stiefel Group Europe ist mit ihren Sparten Großformatdruckerei (Stiefel Digitalprint GmbH), dem Werbetechnikunternehmen Stiefel Licht und Technik GmbH, dem Wandkartenhersteller (Stiefel Eurocart GmbH) und dem Lehrmittelverlag (Steinberger Verlag GmbH) in acht europäischen Ländern vertreten. Im deutschsprachigen Raum zählt das familiengeführte Unternehmen zu den führenden Dienstleistern des großformatigen Digitaldrucks.

So ist man in der Lage mithilfe modernster Maschinen selbst großdimensionale Werbedrucke innerhalb kürzester Zeit zu fertigen. Ein perfektionistisch gestalteter Arbeitsablauf, von der Spezifikation des Auftrages im Computer, über das Einpflegen der Daten in die Projektplanungssoftware bis zur Überprüfung der Druckbarkeit des Auftrages gewährleistet dabei eine hohes Maß an Qualität, bei dem die jeweiligen Kunden durch Kontrolle vor der Freigabe einen Überblick über die Entstehung des Produktes haben. Durch diesen Ablauf ist man bei Stiefel Digitalprint in der Lage auch binnen 24 Stunden zu liefern, was für eine große Flexibilität spricht. Insgesamt ist die Firma Stiefel in Lenting ein herausragendes und sehr modernes Unternehmen, dass sich lohnt zu besichtigen.

Der anschließende Innungsabend wurde wie eingangs erwähnt durch die Firma Reiner aus Furtwangen gesponsert, die ihr 100-jähriges Firmenjubiläum begehen konnte. Unter dem Motto: „bayerischer Abend“ wurde ein reichhaltiges Buffet kredenzt, von Spanferkel bis Rotkraut. Ehrungen wurden ebenfalls vorgenommen, darunter die Firma REINER, deren Inhaber Herr Andreas Reiner von Obermeister Frank Werner beglückwünscht wurde. Frank Werner seinerseits wurde der Titel eines Ehrenobermeisters für seine langjährige Tätigkeit durch Herrn durch Uwe Hermann verliehen. In seiner Rede brachte Hermann tiefen Respekt für die Leistungen seines Vorgängers im Amt zum Ausdruck.

Parallel zur Vertreterversammlung vom Freitag und einer kurzen Mittagspause stand eine Führung durch das Deutsche Hopfenmuseum an, welches in Wolnzach beheimatet ist. Die Besucher gewannen hier unter fachkundiger Führung Einblicke in die Botanik, die Historie des Bierbrauens, heutige Formen der doch recht aufwändigen Bierherstellung.

Abschließend bleibt festzustellen, dass dies ein in jeder Hinsicht herausragender Verbandstag gewesen ist, der den Teilnehmern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Fotos: © C.Diel, Presse- und Redaktionsbüro Bachmann