Den Händlern eine Chance

Zukunft nur gemeinsam

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ohne hier Werbung für den einen oder anderen Automobilhersteller machen zu wollen – haben Sie einmal versucht, bei einem wirklichen Mercedes Händler ein Auto zu kaufen? Das ist gar nicht so leicht, denn die gibt es nur noch sehr wenig. Die meisten Mercedes Händler sind nämlich mittlerweile „Mercedes Niederlassungen“.

Dies ist ein Geschäftsmodell, und zumindest für den Hersteller ein gutes, denn der spart sich Tantiemen an den Händler.

Herr Grupp von Trigema hat dieses Geschäftsmodell auf seine Ladenkette – die sogenannten „Testgeschäfte“ – übertragen und hat damit ein in Deutschland einmaliges Phänomen geschaffen: eine Textilfirma, die laut eigenen Aussagen nur in Deutschland produziert; Respekt.

Apple ist eine der wenigen Firmen, die es in den letzten Jahren geschafft haben, so innovativ zu sein, dass wir Produkte kauften, von denen wir gestern noch nicht wussten, dass wir sie morgen unbedingt haben wollten. Aber auch Apple ist in seiner Marktstrategie – was den Umgang mit seinen Händlern angeht – nicht sehr sensibel. Überall wachsen Apple Stores in wunderschönem Design aus dem Boden, die Kunden erleben das Anschauen der Produkte als ein „Event“ und kaufen dann von zuhause aus über den Apple-eigenen Apple Store die Geräte online und bekommen sie quasi über Nacht nach Hause geliefert. Die „alten“ Apple Händler und auch die großen Ketten stehen immer mehr unter Druck, Margen werden von oben vorgegeben, Liefermengen künstlich niedrig gehalten oder Produkte erst sehr viel später an den Händler geliefert als der Kunde sie über das Apple eigene Online-Portal erhält. Die Folgen sind in allen Städten sichtbar. Apple Händler und Ketten machen zu, weil sie Konkurs anmelden mussten, oder sie verkaufen an noch größere Ketten.

Dass wir in einer immer digitaler werdenden Gesellschaft leben, ist nicht neu und auch nicht schlimm. Alles ist überall und immer verfügbar, möglich durch das immer und überall verfügbare Netz – zwar manchmal eher eine Datenlandstraße denn eine -autobahn. Sogar wir selber sind immer und überall verfügbar.

Ob das gut oder böse ist, soll hier nicht die Frage sein, schwerer wiegt da schon der Ausblick für die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich mit Herstellung von Stempeln und Gravuren hart ihren Lebensunterhalt erarbeiten.

Wo geht der Zug der großen Hersteller hin? Machen sie es Apple und Mercedes nach? Werden die Geschäfte der kleinen und mittleren Unternehmen, die Zwischenhändler und Großhändler früher oder später vollständig übernommen – vom Hersteller zum Kunden alles in einem?

Die Folgen des Aushebelns der Händler wären klar: weniger Marktvielfalt, Händlersterben und letztendlich eine Umgebung, in der ein Kunde weniger Möglichkeiten hätte. Das kann nicht Ziel einer erfolgreichen Marktstrategie sein.

Was ist also zu tun: Händler und Hersteller müssen an einem Strang ziehen, Händler und Hersteller müssen an einem Tisch sitzen und die Zukunft gemeinsam gestalten! Diversifikation beim Händler und fairer Umgang der Hersteller mit den Händlern sind notwendig!

Denn: Nur eine vielfältige Zukunft ist eine Zukunft, in der das Produkt bei einem wirklich zufriedenen Kunden landet.

Herzlichst, Ihr

Bernhard Diel