41. Flexografen-Tagung 2013 Iserlohn Altena

Unter Handwerkern und Rittern

Der 41. Verbandstag der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk begann im obligatorischen Teil mit einem Besuch bei der Firma Bornemann in Wermelskirchen. Ursprünglich hauptsächlich mit der Graviertechnik und Drahterodieren befasst, ist das Hauptarbeitsfeld heute der Werkzeug- und Formenbau. Ein Vortrag über die Geschichte des Familienunternehmens, verbunden mit einer Führung durch den recht modernen Maschinenpark rundete den Besuch ab. Zurück im Tagungshotel – Romantik-Hotel Neuhaus in Lössel – begann der Innungsabend in gemütlicher Atmosphäre. Ein fantastisches Buffet, dass von kalt bis warm nichts vermissen ließ, und nette Gespräche untereinander sorgten für einen gelungenen Abend. Auf der Tagesordnung für Freitag, den 6. Juni stand zunächst die satzungsgemäße Mitgliederversammlung mit dem Bericht des Obermeisters der Innung, Uwe Herrmann, Vorträgen einiger zuliefernder Unternehmen, und im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen der Besichtigung des Burgaufzugs, der Burg und des ansässigen Drahtmuseums in der Nachbarstadt Altena.

- Mitgliederversammlung –

Bericht des Vorsitzenden

Der Vorsitzende der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk Uwe Herrmann von Stempel Weeber aus Pforzheim eröffnete seine Rede mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr, als er sein Amt als Vorsitzender angetreten hatte. Die Eingewöhnung hätte zwar schon stattgefunden, die Routine müsse nun noch eintreten.

Gleich vielen Verbänden müsse auch die Bundesinnung kämpfen um ihren Fortbestand.

Die Ausbildungssituation resümierend zeichnete Herrmann ein vielschichtiges Bild, mit sowohl einer rückläufigen Zahl an Betrieben als auch Auszubildenden. Bei einem anhaltenden Rückgang wären dann in Zukunft die Innungen in der Pflicht, mit einem erheblichen Mehraufwand, die Prüfungen gemäß der Prüfungsordnung abzuwickeln.

Besonderes Augenmerk liege hierbei auf dem Fortbestand des Handwerks, dass in gegenseitiger Bedingung existiere. Laut Herrn Herr mann blieb jedoch der gewünschte Synergieeffekt der zentral gelenkten Prüfungen, bei der Zusammenfassung der einzelnen Berufsbilder zum Mediengestalter Flexografie, aus, behindert durch neue gesetzliche Regelungen der IHKs. So erfolgte bereits in diesem Jahr die Ausarbeitung der Prüfungsaufgaben durch den Vorstand der Bundesinnung in Zusammenarbeit mit dem ZfA, das neue Berufsbild Mediengestalter Flexografie werde schon in diesem Jahr erstmalig geprüft. Neben der Überreichung einer Urkunde an unsere Fachzeitschrift mit Gratulation für unser 15jähriges Bestehen, berichtete Uwe Herrmann auch von der 150-Jahr Feier der Firma Stempel Müller. (Innovation und Technik, Juni-Ausgabe).

- Fachveranstaltung – Workshops und Referate –

Colop stellt neuen Printer vor: Personalisierung

Hieran schloss sich die Fachveranstaltung mit verschiedenen Vorträgen namhafter Firmen. Den Auftakt bildeten die Vertreter der Firma Colop aus Wels, die über die Personalisierung des Stempels – „Wein in alten Schläuchen“ oder die „Zukunft des Stempels“ referierten, und gleichzeitig ihr neuestes Produkt vorstellten. So referierten Herr Hörtenhuber und Herr Götzfried über die Weiterentwicklung des Colop-Printers und über die Möglichkeiten den Stempel als Pro dukt ins 21. Jahrhundert zu tragen. Sie stellten dabei den Zeitenwandel der Geschichte des Verkaufs am Beispiel der Entwicklung unserer Gesellschaft heraus. Von den Fachgeschäften und -händlern, die es ja gottlob immer noch gibt bis zum Internethandel. Von der individuellen Beratung hin zu einem anonymisierten, am Preisdruck „erkrankten“ Suchmaschinenwald, mit unklaren Auswirkungen für die Hersteller. Die Lösung kann nur heißen weg von der Anonymisierung und vom Preisdruck, und im Falle Colop heißt diese „mass customizing“ oder die Individualisierung innerhalb einer Masse. Es ist das Vorhaben, den Stempel mit der persönlichen Alltagswelt der Menschen zu verbinden, und so ein Massenprodukt auf die Erfahrungswelt des einzelnen zu übertragen. Im Falle des Colop Printers wird das zunächst durch einen Imagefilm dargestellt. Jener soll, durch das Entstehen von Emotionen, jedem die Gestaltungsmöglichkeiten seines Printers vor Augen führen. Ganz praktisch geschieht dies dann durch den Printer selbst, die auswechselbaren Imagekärtchen und den einfach zu handhabenden Auswechsel-Mechanismus. Selbigen konnten die Zuhörer anschließend in Augenschein und mit nach Hause nehmen.

– 3D-Druck – neue Verfahren eröffnen neue Möglichkeiten

Ein weiterer sehr interessanter Vortrag führte die Zuhörer in die Welt des 3D-Drucks als generativem Fertigungsverfahren und seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Der Referent, Herr Oliver Herrmann von der Firma RTC – Rapid Technologies & Consulting erstellte zunächst ein Kurz-Porträt des Unternehmens, dass hauptsächlich in der Beratung und dem Vertrieb von 3D-Druckern und Printsystemen, aber auch Softwarelösungen im Bereich Design, Engineering und Produktion tätig ist. An seinen vier Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das Unternehmen mit einem Mitarbeiterstab von ins- Referent: Oliver Herrmann, RTC gesamt 29 Mitarbeitern im vergangenen Jahr rd. 20 Mio. Euro erwirtschaftet.

Herr Herrmann stellte die rasante Entwicklung des FDM-Verfahrens vor, dass aus dem Rapid Prototyping/Manufacturing/Tooling entstanden ist. Beim Herstellungsprozess wird ein durch ein CAD- oder CAM-System entstandenes Objekt in ein STL-Objekt (trianguläre Darstellung eines dreidimensionalen Objektes) verwandelt.

Dieses wiederum wird mittels der 3D-Drucker Software in Scheiben von bis zu 0,01 mm zerlegt. Im Anschluss erstellt der 3D-Drucker selektiv das gewünschte Modell mittels der „Scheiben-Werte“ übereinander. Datenquellen für diese STL-Quellen können sowohl CAD–Systeme, als auch Scanner, oder CT-und Röntgensysteme sein. Entsprechend des Verwendungszwecks können dann auch die verwendeten Materialien (Härtegrad – Weichheit) von PLAs und Heißkleber über Kunstharz bis zu Keramik oder Metall differieren.

– SOLI – neue Produkte

Im Rahmen eines gemeinsamen Vortrags zusammen mit Marburger Signier Technik Systeme stellte zunächst Herr Friedhelm Juckel - Inhaber der Reinhold Schmitz Handelsvertretung e.K. - aus Solingen neue Stempelfarben und Kissen der Marke Coloris aus dem Hause Stefan Kupietz GmbH & Co. KG. vor. Seit Jahren vertreibt Herr Juckel nicht nur die Produkte der Firma Kupietz, sondern ist auch für die Firmen Ernst Reiner GmbH & Co. KG in Furtwangen, heri-Rigoni GmbH in Fischbach und Marburger STS in Marburg tätig. So befindet sich unter Metallic Tönen der Firma Kupietz bereits ein neuer Goldton, und ein neuer Silberton mit weniger Pigmentierung. Bei den Signierstempelkissen besteht eine große Nachfrage nach bunten Gehäusen. Für die Kennzeichnungsgeräte jetStamp der MP Serien der Firma Reiner, mit deren Entwicklung das überhaupt sehr innovative Unternehmen Reiner eine neue Ära im Bereich der Kennzeichnungstechnik eingeläutet hat, sind neu entwickelte Farben erhältlich, u. a. ein neuer Rot-Ton. Die Firma heri-Rigoni veredelt ihre Produkte mit einer Lasergravur. In diesem Jahr sind WM-Logos der große Renner. Darüberhinaus können mit der Lasertechnik natürlich neben den bekannten Stempelkugelschreibern auch viele andere Produkte verschönert werden.

– Marburger STS – interessante Produktpalette

Im Weiteren erläuterte Herr Schneider von der Marburger STS den Einsatz der Coloris-Stempelfarben bei den verschiedenen Kennzeichnungsentwicklungen aus dem Hause Marburger STS. Am Anfang der Ausführungen stand das TELOS-Wechselsystem, das mit seinen schnell auswechselbaren Drucktypen und der Verwendung verschiedener Schriftarten und -größen bis zur Ausführung auf gekrümmten Oberflächen sehr vielseitig einsetzbar erscheint. Unter Verwendung der SOLI-Mark-II-Kissen ist die Abdruckqualität sehr hoch. Beim Selbstfärber für nichtsaugende Oberflächen wie z. B. Glas, Metall und Kunststoff versiegelt die Stempelplatte das Stempelkissen mit dem vorhandenen Verdünnungstank. Bei einer maximalen Größe von 60 x 20 mm weisen Abdrücke z.B. auf Folien die Merkmale trocken und abriebfest auf. Die Einfüllöffnung für die Regeneratorflüssigkeit befindet sich zwecks besserer Dosierung im oberen Griff des Selbstfärbers. Eine ähnliche Versiegelung wie zuvor beschrieben befindet sich auch im pneumatischen Hubstempelgerät mit dem pro Minute bis zu 120 Drucke erzielt werden können. Der Speedy Timber wird sowohl auf Papier und Pappe als auch auf Kunststoff oder Metall angewendet, und kann in den Produktionsablauf integriert werden oder als Tischgerät Verwendung finden. Beim Rollerprint und Rollerflex steht jeweils der mobile fortlaufende Markierungs-Einsatz auf überwiegend Verpackungsmaterialien wie Papier, Pappe, Folie aber auch Metall, Kunststoff im Vordergrund. Beide lassen sich aber auch sehr einfach in den Produktionsablauf einbinden. Bedingt durch einen Friktionsantrieb durch ein Förderband erfolgt dann der Antrieb der Druckrolle. Beim Rollerflex-Gerät kann man von einem „richtigen FlexodruckGerät“ sprechen, da der integrierte Telos- Farbbehälter für den automatischen Nachlauf der Farbe sorgt.

– Trodat: nicht Utopia, sondern u-typia

Einen ähnlichen Ansatz wie Colop verfolgte in seinem Vortrag auch Jean-Marie Naert von Trodat. Der ebenfalls oberösterreichische Stempelhersteller Trodat schafft mit seinen u-typia e-commerce shops weltweit eine Plattform für personalisierbare Produkte. Unterschieden wird dabei zwischen Privatkunden und businessorientierten Komplett-Lösungen. Im Privatkundenbereich zeichnet sich die homepage durch ein neugestaltetes Design, eine Benutzer freundliche Oberfläche mit vielen individuellen Gestaltungsvorlagen und ein einfaches Bestellsystem aus.

Die Business-Lösung hingegen ist als Allround-solution gedacht, mit schnellen Bestellmöglichkeiten, individuellen Konditionen, und in jedem Fall an die corporate identity des jeweiligen Unternehmens gebunden. Zielgruppe sind im Business-Bereich besonders größere Unternehmen, die über eine Prozessvereinfachung von der Bestellung zur Produktion und schnellen Lieferung (E-procurement) mit Trodat verbunden werden sollen. Features wie ein offener oder geschlossener Shop mit vielen individuellen und allgemeinen Vorlagen, Funktionen wie Vorschau, Editor oder Grafikupload machen diese Software zu einem unverzichtbaren Baustein für die Gestaltung der Shop-Oberfläche, vereinfachen aber auch den Bestellvorgang, und schützen die Corporate Identity jedes Unternehmens. Daneben gibt es noch das online Gutschein-System, bei dem der Endkunde den Stempel im Geschäft kauft, anschließend im Internet mit der auf dem Gutschein angegebenen Kontrollnummer seinen eigenen Stempel gestaltet.

- Geschichte nacherleben: – Erlebnisaufzug – Burg – Deutsches Drahtmuseum

Nach einem Mittagsimbiss im Romantik-Hotel Neuhaus fuhr eine Gruppe von 20 Mitgliedern und Gästen von Lössel nach Altena, um den dortigen Burgaufzug, das neue Alleinstellungsmerkmal Altenas, die Burg und im Anschluss daran das Drahtmuseum zu besuchen.

Der Burgaufzug faszinierte alle Anwesenden gleichermaßen, da die Geschichte Altenas von interaktiven Hologramm-Figuren erzählt wurde, der Besucher selbst durch einen holografischen „Fluss“ waten musste, und im Aufzug von einem sich festklammernden Burgherrn nebst Gefolgschaft begleitet wurde. Im oberen Burghof angekommen wurde der Besucher bei einer Führung der wechselvollen Geschichte der Burg gewahr. Von den Anfängen im 12. Jahrhundert, etwas später mit den Markgrafen von Kleve bis zum Zerfall im 18. Jahrhundert, und dem neuerlichen Aufbau im 19. Jahrhundert.

Viele interessante Ausstellungen sind im Gemäuer beheimatet, unter anderem über Rüstungen (ob zum Gebrauch oder für Prunk), Waffenentwicklung im Wandel der Jahrhunderte, die Herkunft der Sprichworte, das Alltagsleben auf einer Burg, die erste Jugendherberge der Welt u.v.m..

Bei Herrlichem Sonnenschein wanderte die Gruppe anschließend von der Burg ins tiefer gelegene Deutsche Drahtmuseum. Dort bekamen die Besucher in Form einer Führung einen Überblick über die Geschichte des Drahtzugs, von den Anfängen mit schwerer körperlicher Arbeit, etwa beim Bedienen des „Schockenzugs“ oder Geschicklichkeit beim Bedienen des Zieheisens bis hin zur modernen Drahtziehtechnik auf Maschinen. Anhand einer Produkteausstellung bekamen die Besucher anschaulich dargestellt, dass nicht nur Kettenhemden aus Draht die Wiege des industriellen Drahtzugs in Altena be gründeten, moderne Supraleiter z.B. machen die Stadt noch heute zu einem wichtigen Produktionsort.

Abschließend traf sich die Gruppe noch in gemütlicher Runde an den Lenne-Terrassen im Tal und man ließ bei einem Glas Bier oder Wein den Tag Revue passieren.

Fazit: Trotz der terminlichen Überschneidung mit Pfingsten war die Tagung sehr interessant, informativ und der Kontaktpflege innerhalb des Verbandes dienlich.

-cd-

Fotos: Ellen Bachmann, Altena