Brexit, Grexit, Flüchtlingskrise – sind wir denn noch zu retten?

„Am Ende wird alles gut – und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende!"

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auch wenn Europa als Kopfgeburt entstand, so müsste es doch mittlerweile eine Herzenssache sein. Geo Müller, der ausgeschiedene Präsident der AEGRAFLEX, hat das wie kein anderer in unserer Branche gelebt.

Doch ist diese Kopfgeburt eine Totgeburt? Nein! Wenn wir Europa und den europäischen Gedanken zu unserer (!) Herzenssache machen. Zu lange haben wir uns damit beschieden, ausgediente Politiker nach Europa weg zu loben, nur um uns dann im Nachhinein zu beschweren, was für ein Bockmist nun schon wieder aus Brüssel kommt.

Europa mit seiner unvergleichlichen Friedensgeschichte – wann hat es denn schon einmal so lange keinen Krieg in Europa gegeben? – ist aber nicht nur eine Friedensgeschichte oder nur eine Wirtschaftsgeschichte, es ist die Geschichte von uns Europäern.

Längst hat uns die Globalisierung gezeigt, dass Kleinstaaterei ein Irrweg ist, und Kirchturmdenken nur das Floriansprinzip bedient. Der Fuldaer Philosoph hat einen europäischen Freiwilligendienst – ähnlich zu unseren Bufdis, nur eben in einem anderen europäischen Land – vorgeschlagen. Ob man die europäische Idee hiermit wieder „von oben“ befehlen kann, ist sicher diskussionswürdig. Ganz abwegig ist es jedoch nicht.

In früheren Jahrhunderten sind Gesellen einiger Zünfte „auf die Walz“ gegangen, damit sie ersten ihr Handwerk besser erlernen, aber auch, damit sie ihre Welt erfahren können. Ist es denn so abwegig, auch in der heutigen, globalisierten Zeit „auf die Walz“ zu gehen? Ganz im Gegenteil! Heute wichtiger denn je, sollten wir alle bereit sein, unseren Horizont zu erweitern.

Ist es nicht richtig, wenn nicht notwendig, den eingeschlagenen Weg in die richtige Richtung zu wenden und ihn konsequent zu gehen? Müssen wir nicht stark sein in einem einigen, vereinten (?!) Europa? Ist es nicht gerade die Flüchtlingskrise und die drohenden Austritte von Großbritannien und Griechenland, die uns zeigen, wie es nicht geht? Das sind doch offensichtlich falsche Wege!

Was ist zu tun?

- Gute Politiker nach Brüssel schicken

- Entscheidungen gemeinsam treffen und sich auch dar an halten

- Über den eigenen Kirchturm hinaus schauen und das Wohl aller im Auge haben

- Außengrenzen so schützen, dass unsere innere Sicher heit den Wohlstand aller sichert – nicht nur unseren (wie können wir anderen helfen, wenn wir selber arm sind?)

- Institutionen und Verbände schaffen und unterstützen, die nicht nur reden, sondern auch handeln.

Herzlichst, Ihr

Bernhard Diel



Bernhard Diel (OStR iE) ist Geschäftsführer der AEGRAFLEX, der europäischen Vereinigung der Graveure und Flexographen.