Menetekel aus Washington?

Oder doch Ruf zu neuen Märkten?

Trump macht ernst – Pandoras Büchse ist geöffnet

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nicht nur im Wahlkampf hat er versucht sich die restliche Welt zum Feind zu machen, anscheinend ist das auch der neue Politik-Stil, der nun im ohnehin schon immer außenpolitisch „verbildeten“ Amerika gang und gäbe ist. Die Ankündigungen des neuen amerikanischen Präsidenten haben in Europa – ausgenommen Groß-Britannien, wo man immer noch meint ein großes Empire zu haben – Schrecken und Befremden ausgelöst. Befürchten doch vor allem deutsche Politiker und Wirtschaftsverbände, dass jetzt eine neue Ära des Protektionismus kommt, die unserer exportorientierten Wirtschaft schadet. Es ist ja schön, wenn überhaupt einmal ein Politiker auf diesem Globus Versprechen, die er vorher getätigt hat, einhält. Aber müssen es denn so außerordentlich dumme sein?

Angesichts seines Wirtschaftsmogul-Denkens verwundert es nicht, dass Herr Trump das TTP-Abkommen ausgesetzt hat, und der Gedanke an wirklichen Freihandel in weite Ferne gerückt scheint. In einer Welt, in der alle Prozesse global verzahnt in einander greifen, mutet sein Denken wie ein Rückgriff auf Kleinstaaterei vergangener Jahrhunderte an. Als Konsequenz auf ein Gespräch mit Frau Merkel, steht nach dem Einreiseverbot für Muslime aus sieben Ländern, nun sogar ein Einreiseverbot für viele Deutsche im Raum. Gut, Frau Merkel hätte sich ihre Glückwunschrede zuvor bezüglich der Gender-Themen auch sparen können. Dennoch kann sich der geneigte Beobachter eines Eindrucks von Größenwahn, Narzissmus und absoluter Psychose bei Trump nicht erwehren.

Deutschen Auto-, Maschinen- und Anlagenbauern hat er schon höhere Zölle angekündigt. So soll bspw. BMW bis zu 35 % Strafzoll auf seine Fahrzeuge entrichten, wenn das Unternehmen ab 2019 in Mexiko produziert. Das erscheint als Wettbewerbsnachteil auf dem amerikanischen Markt nicht unbedingt erstrebenswert, und kann bei den ohnehin von den Unternehmen selbst gewährten Rabatten im Ausland am Ende auch nicht mehr lohnenswert sein. Denken wir nun an die Maschinen- und Anlagenbauer: Hier fällt auf, dass überwiegend die in den USA benötigten und nachgefragten Maschinen gar nicht dort produziert werden können. Den Amerikanern fehlt schlichtweg das Know-How in Form gut ausgebildeter Ingenieure. Die deutsche Ausbildung an Fach-Hochschulen und Universitäten ist trotz des ewigen Eigen-Nestbeschmutzens durch Äpfel-mit-Birnen-vergleichender Pisa-Studien auf einem deutlich höheren Niveau als das in Amerika der Fall ist. Unsere Produkte sind auf einem deutlich höheren Qualitäts-niveau und erfahren daher auch eine sehr starke Nachfrage, die sogar in Handelsüberschüssen mündet. Durch hohe Zölle stellt Trump am Ende den amerikanischen Industrien selbst ein Bein, weil sie nicht mehr in der Lage sein werden, die Nachfrage nach ihren Produkten, die sie vormals auf deutschen Maschinen hergestellt haben, zu erfüllen. Es werden auch dort Arbeitsplätze wegfallen. Ist das Trumps Vorstellung von „Make America great again?“

Hat Trump da die Rechnung nicht ohne den Wirt gemacht? Wenn man amerikanische Unternehmen betrachtet, die ebenfalls auf dem deutschen und europäischen Markt tätig sind, so fällt auf, dass auch sie von einer solchen Politik der Abschottung Schaden nehmen werden. Denken wir nur einmal an Apple, dessen Geräte vom iPhone bis zum iMac hauptsächlich in China zu Billig-Löhnen produziert werden und daher von der Preisstruktur große Nachfrage erfahren. Was wird passieren, wenn diese Computer aufgrund von Strafzöllen für den amerikanischen Markt unattraktiv werden? Oder ein generelles Abwandern ist auch denkbar, wenn man z.B. an Google denkt, dass in Kalifornien gegründet wurde, heute aber über seinen Sitz in Irland Gewinne über die Niederlande auf die Bahamas umleitet und so Steuern spart. So eine Firmenzentrale kann man auch verlagern. Das würde im Falle von Google einen Verlust zehntausender Arbeitsplätze in Amerika bedeuten.

Was ist also im „worst case“ eines Rückfalls auf eine protektionistische Volkswirtschaft in den USA zu beachten? Für unsere Volkswirtschaft könnte zunächst die psychologische kalte Schulter (coolness) angeraten sein, anders als der Kotau Deutschlands gegenüber der Türkei seit 2015.

Das wohlverdiente Image unserer Produkte „Made in Germany“ bedenkend sollte unser „Win“ für uns entscheidend sein, weniger eine diplomatische Win-Win-Situation. Zumal es den Anschein hat, als seien die Tage der Diplomatie vorerst gezählt.

Selbstvertrauen in die eigene Volkswirtschaft und die Qualität der eigenen Produkte und bei Veränderung eines Marktes die Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten versprechen hier mehr Erfolg. Schließlich sind die USA zwar ein wichtiger Markt, aber in einem möglichen Untergangsszenario begriffen, eben auch nur ein Markt. Hier wäre es angeraten die Beziehungen etwa zu China zu vertiefen oder die verhängten Sanktionen der EU gegen Russland zu überdenken. Das Ukraine-Totschlags-Argument kann nicht auf ewig die Trumpfkarte unserer Außen- und Wirtschaftspolitik sein, wenn man auf der anderen Seite undemokratische Länder beliefert. Gefragt ist also Politik mit Sachverstand und nicht mit Nibelungen-Bündnistreue. 

Herzliochst, Ihre

Claudia Diel