Albtraumhafte neue Arbeitswelt

Führt Millionenhafter Stellenabbau in Deutschland zu Arbeitslosenheer?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit Anbeginn der Industrialisierung versuchen Unternehmen, insbesondere Konzerne, Gewinnmaximierung zu betreiben. Schon in der Frühphase waren tatsächliche Hungerlöhne und Kinderarbeit an der Tagesordnung, die u.a. für die Entstehung großer Konzerne sorgten. Seit ein paar Jahren sehen diese Konzerne in der Vernetzung von Maschinen und Produktionsplattformen, die sie mit Industrie 4.0 umschreiben, ihre große Chance noch effizienter und profitabler zu produzieren. Aber es kann auch eine Chance für global agierende Industriemagnaten sein, die Arbeitskraft Mensch zu umgehen, noch autarker zu werden, und dagegen könnte keine Gewerkschaft der Welt etwas ausrichten.

Denn durch eine fortschreitende Digitalisierung, die momentan ja insbesondere von Politikern aller Couleur heraufbeschworen wird, und eine entsprechende Automatisierung vieler Arbeitsabläufe, wird die Arbeitskraft Mensch zwangsläufig überflüssig werden. Ja, sogar der vielfach zitierte Fachkräftemangel, den diese Großkonzerne immer beschworen hatten, gegen den sie aber durch Ausbildung ihrerseits nur wenig unternommen haben, wird irgendwann nicht mehr in den Schlagzeilen sein. Einer Studie der London School of Economics zufolge soll in Deutschland jeder zweite deutsche Arbeitsplatz in der Zukunft wegfallen oder zumindest davon bedroht sein.

Dieser gesamtgesellschaftliche Wandel der Arbeitswelt umfasst nicht nur die Probleme einer globalisierten Wirtschaft, sondern auch einen Wandel vieler Berufsbilder durch eine immer schneller fortschreitende Technisierung. So werden Berufsbilder komplexer und durch mehr Verantwortung charakterisiert sein, was durchaus die Belastungen für den Einzelnen verstärkt. Computer oder Roboter regeln damit zukünftig einfache Arbeitsabläufe. Dies bedeutet nicht nur für 50% aller dann hier lebenden Menschen die Arbeitslosigkeit, sondern es bedeutet einen ausufernden Wohlfahrtsstaat, der irgendwann die Belastungsgrenze erreicht haben wird. Die letzten drei Jahre haben uns vor Augen geführt, was passiert, wenn in der Masse gänzlich unqualifizierte Menschen in unsere auf Fachkräfte und Vollbeschäftigung ausgerichteten Sozialsysteme migrieren.

Aber es zeitigt auch noch andere Folgen, durch die Unternehmen viel mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um diese cyber-physischen Systeme, die Netzwerk gesteuert sind, abzusichern. Momentan ist facebook ständig Skandal-mäßig im Internet vertreten. Der erste Skandal mündete in das allseits bekannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Nun ist der Konzern erneut in den Schlagzeilen, weil ein Unternehmen namens Cambridge Analytica sich mittels einer App unerlaubten Zugriff auf Daten und Profile von mehr als 50 Millionen facebook-Nutzern verschafft hat. Solche unkontrollierten Zugriffe, stehen nicht nur dem Persönlichkeitsrecht entgegen, sondern sie können, je nach Konzern, auch Auswirkungen auf staatliche Systeme haben, also in unserem Fall Demokratiegefährdend sein.

Bei produzierenden Unternehmen können solche Lecks möglicherweise Arbeitsabläufe sabotieren, Unternehmensgeheimnisse, z.B. Patente oder Entwicklungen offenbar werden lassen u.v.m.

Der Weg führt uns zwar zwangsläufig in die voll-automatisierte und digitale Arbeitswelt von morgen, aber das Zusammenspiel aller für die Industrie wichtigen Faktoren ist noch lange nicht ausgereift. Hier müssen nicht nur Standards für Mensch und Maschine geschaffen werden, sondern es muss auch eine theoretische Beschäftigung philosophischer, gesellschaftlicher, politischer Natur mit diesem gesellschaftlichen Wandel stattfinden. Der technische Wandel vergangener Jahrhunderte förderte in der Regel eher positive Entwicklungen zutage, die aber auch wissenschaftlich begleitet wurden. Das vorwiegende Gewinnmaximierungsdenken globaler Konzerne lässt die Fortschreibung dieser gesamtgesellschaftlichen Prozesse momentan zumindest außer Acht.

Interessanter Weise zeigt gerade Elon Musk eindrucksvoll dass eine „Überfrachtung“ durch Automatisierung dazu führen kann, dass die Produktion stockt bzw. gar still steht. Das „Hoffnungsmodell für den Massenmarkt“, der Tesla 3, wird nicht oder zu wenig gebaut, weil Musk lt. eigener Aussage zu viele Roboter in der Produktion einsetzt.

Herzlichst ihre

Claudia Diel