Mittelstand ist Motor der Wirtschaft

Rahmenbedingungen endlich verbessern!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Stellt man in Deutschland die Frage nach dem Motor der Wirtschaft, so gibt es nur eine Antwort: Der Mittelstand.

Über 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind kleine und mittlere Betriebe. Die meisten sind inhabergeführt, die Eigner haften persönlich für ihre Entscheidungen im Betrieb.

Das unterscheidet den Mittelständler grundsätzlich von Managern großer Kapitalgesellschaften, die häufig kurzfristige Renditeziele verfolgen und entsprechend handeln. Mittelständler hingegen denken und agieren langfristig. Ziel ist nicht ein schneller Gewinn, sondern der Erhalt des Unternehmens möglichst über Generationen hinweg.

Mittelständische Unternehmen, die etwa die Hälfte der Wertschöpfung in Deutschland erwirtschaften, zeichnen sich dadurch aus, dass sie über zwei Drittel aller Arbeitsplätze bereitstellen, 60 Prozent der Steuern bezahlen und darüber hinaus ca. 80 Prozent aller Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Politik für den Mittelstand ist somit im hohen Maße Politik für Beschäftigung und gegen Arbeitslosigkeit.

Weite Teile der Wirtschaftspolitik sollten daher auf die Belange des Mittelstandes ausgerichtet sein. Dabei ist richtig verstandene Mittelstandspolitik keine Klientelpolitik, denn Mittelstand und Großunter- nehmen sind gemeinsam unverzichtbare und in unserer arbeitsteiligen Wirtschaft aufeinander angewiesene Unternehmensformen.

Allerdings gibt es wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die den Großunternehmen mehr und den kleineren und mittleren Unter- nehmen weniger nutzen.

Diese Rahmenbedingungen müssen mehr zugunsten des Mittelstandes verändert werden, wenn dauerhaft mehr Arbeitsplätze entstehen sollen und die deutsche Wirtschaft den notwendigen Strukturwandel erfolgreich bewältigen und in Fahrt kommen und bleiben will.

Wenn Produkte mit hohem Arbeitskostenanteil und Dienstleistungen am Wirtschaftsstandort Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig sind, geraten Arbeitsplätze und Wohlstand unseres Landes in Gefahr. Deshalb muss das Thema Arbeitskosten behandelt werden, da es für den beschäftigungsintensiven Mittelstand ein zentrales Thema ist. Tatsache ist, dass die Lohnstückkosten in Deutschland absolute Welt- spitze sind. Dies liegt an den zahlreichen mit dem Lohn verbundenen Steuern, Abgaben und sonstigen so genannten Zusatzkosten, von denen einige schon den Namen Hauptkosten verdient hätten. Die Personalzusatzkosten haben sich inzwischen mehr als verdoppelt.

Während Großbetriebe dieser Belastung durch den Einsatz von Maschinen oder durch Auslagerung von beschäftigungsintensiver Produktion ins Ausland ausweichen, sind dem Mittelstand diese Möglichkeiten in der Regel verwehrt. Hier hilft nur: Runter mit den hohen Belastungen.

Doch trotz aller gegenteiligen Ankündigungen stimmen die Rahmenbedingungen einfach nicht – Rhetorik und Realität liegen meilenweit auseinander. Zu viel Bürokratie, hohe Lohnzusatzkosten, eine enorme Flut an behördlichen Auflagen in allen möglichen Bereichen und stetig steigende finanzielle Belastungen erschweren wirtschaftliche Betätigung. Angesichts der insgesamt zu hohen Belastung der Bürger wird es künftig zu einer massiven Flucht in die Schwarzarbeit kommen. Soll sich diese negative Entwicklung nicht weiter fortsetzen, muss ganz rasch umgesteuert werden.

Wichtig ist vor allem, endlich eine Unternehmenssteuerreform durch- zuführen die den Namen verdient. Außerdem muss der Zugang zum Kapitalmarkt für mittelständische Unternehmen weit geöffnet werden. Es muss alles unternommen werden, um den Mittelstand endlich durch bessere Rahmenbedingungen zu stärken.

Denn nur mit einem starken Mittelstand lassen sich die zentralen Probleme am Wirtschaftsstandort Deutschland leichter lösen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken und ausreichend Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Dies sollte von den Verantwortlichen nicht übersehen werden.

Herzlichst Ihr

Dr. Ulrich Bachmann